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Welche Mindesttiefe braucht ein Wandschaltschrank für Steuerungen?

Offener Wandschrank aus Stahl mit Montageschienen und leerem Rückpanel, an Betonwand montiert, dramatische Seitenbeleuchtung.

Ein Wandschaltschrank für Steuerungsanwendungen benötigt in der Regel eine Mindesttiefe von 200 mm – in den meisten Fällen sind jedoch bei SPS-Komponenten, Klemmenleisten und Verdrahtungskanälen 250 bis 300 mm realistischer. Die tatsächlich erforderliche Einbautiefe hängt von den verbauten Komponenten, deren Anschlusstechnik und den geltenden Sicherheitsabständen ab. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Detailfragen zur Tiefenwahl systematisch.

Welche Faktoren bestimmen die benötigte Einbautiefe?

Die benötigte Einbautiefe eines Wandschaltschranks ergibt sich aus der Summe mehrerer überlagernder Faktoren: der Bautiefe der größten einzubauenden Komponente, dem Platzbedarf für Kabelführung und Verdrahtungskanäle, den vorgeschriebenen Luftabständen sowie dem Raum für Montageschienen und Befestigungsmittel. Wer nur die Komponentenabmessungen berücksichtigt, unterschätzt den tatsächlichen Platzbedarf regelmäßig.

Im Einzelnen spielen folgende Faktoren eine Rolle:

  • Komponentenbautiefe: Jede Komponente – ob SPS, Frequenzumrichter, Netzteil oder Sicherungsautomat – hat eine eigene Einbautiefe, die im Datenblatt angegeben ist. Maßgeblich ist immer die tiefste Komponente im Schrank.
  • Kabelabgangsrichtung: Kabel, die seitlich oder nach hinten abgehen, benötigen zusätzlichen Biegeraum. Kabelschutzschläuche und Steckverbinder erhöhen den Platzbedarf nochmals.
  • Verdrahtungskanäle: Horizontale und vertikale Kabelkanäle aus Kunststoff oder Metall beanspruchen in der Regel 40 bis 80 mm zusätzliche Tiefe – je nach Kanalbreite und Füllgrad.
  • Mindestluftabstände: Normen schreiben Kriech- und Luftstrecken zwischen spannungsführenden Teilen und dem Gehäuse vor. Diese dürfen nicht durch zu knappe Tiefenbemessung unterschritten werden.
  • Türinnenseite: Wenn auf der Innenseite der Tür Bedienelemente, Displays oder Klemmleisten montiert werden, muss der Schwenkraum der Tür in die Tiefenberechnung einbezogen werden.

Erfahrungsgemäß empfiehlt sich ein Aufschlag von mindestens 50 mm auf die Bautiefe der tiefsten Komponente, um Verdrahtung, Kabelkanäle und Montagetoleranzen sicher unterzubringen.

Welche Standardtiefen gibt es bei Wandschaltschränken?

Wandschaltschränke werden am Markt üblicherweise in den Standardtiefen 150 mm, 200 mm, 250 mm, 300 mm und 400 mm angeboten. Diese Abstufungen decken die häufigsten Anwendungsfälle ab – von einfachen Klemmkästen bis hin zu vollständig bestückten Steuerungsschränken mit Frequenzumrichtern.

Die Tiefe von 150 mm eignet sich vor allem für reine Klemmengehäuse oder Anschlusskästen ohne aktive Elektronik. Die 200-mm-Variante wird häufig für kompakte Steuerungsaufbauten mit kleinen SPS-Modulen gewählt, während 250 und 300 mm den typischen Bereich für vollständige Maschinensteuerungen abdecken. Tiefen von 400 mm kommen bei Frequenzumrichtern mit großen Kühlkörpern oder bei besonders kabelintensiven Applikationen zum Einsatz.

Wer exakt passende Wandschaltschrank Maße benötigt, die von diesen Standardwerten abweichen, ist auf Hersteller angewiesen, die Sondermaße in feinen Abstufungen fertigen können.

Wie tief muss ein Wandschaltschrank für eine SPS-Steuerung mindestens sein?

Für eine typische SPS-Steuerung mit Netzteil, CPU, Ein-/Ausgabe-Modulen und zugehöriger Verdrahtung ist eine Mindesttiefe von 250 mm realistisch – bei kompakten Kleinsteuerungen kann 200 mm ausreichen, bei modularen Systemen mit mehreren Baugruppen sind 300 mm häufig notwendig.

Kompakte SPS-Systeme wie einfache Kleinsteuerungen haben Bautiefen von 75 bis 100 mm. Zusammen mit der Montageschiene (15 mm), dem Verdrahtungskanal (40 bis 60 mm) und dem erforderlichen Freiraum zur Tür (mindestens 25 mm) ergibt sich bereits ein Mindestbedarf von rund 155 bis 200 mm – ohne Berücksichtigung von Netzteilen oder Sicherungsautomaten, die zusätzliche Tiefe beanspruchen.

Bei modularen SPS-Systemen mittlerer Leistungsklasse, wie sie im Maschinenbau üblich sind, liegen die Bautiefen der CPU und der Erweiterungsmodule oft zwischen 110 und 150 mm. Hinzu kommen Verdrahtungskanäle und Kabelabgänge, sodass 300 mm Schranktiefe in der Praxis als solide Planungsgröße gilt.

Was passiert, wenn die Schranktiefe zu gering gewählt wird?

Ist die Schranktiefe zu gering, lassen sich Komponenten nicht normgerecht montieren, Kabel können nicht ordnungsgemäß verlegt werden, und die Tür schließt entweder nicht mehr bündig oder beschädigt beim Schließen die Verdrahtung. Im schlimmsten Fall entstehen Kurzschlussrisiken durch unzureichende Luftabstände.

Konkrete Folgeprobleme einer zu geringen Tiefe sind:

  • Kabel werden zu eng gebogen und unterschreiten den zulässigen Biegeradius – das erhöht die Gefahr von Leitungsbrüchen und Isolationsschäden.
  • Steckverbinder können nicht vollständig eingerastet werden, wenn der Freiraum hinter der Komponente fehlt.
  • Die Wärmeabfuhr von Bauteilen wie Frequenzumrichtern oder Netzteilen wird durch fehlenden Luftstrom beeinträchtigt, was zu vorzeitigem Ausfall führt.
  • Wartungsarbeiten werden erschwert oder unmöglich, weil kein Zugang zu Klemmen und Steckern besteht.
  • Die Abnahme durch den Elektrofachbetrieb oder den TÜV kann scheitern, wenn Normanforderungen an Abstände nicht eingehalten werden.

Nachträgliche Korrekturen – etwa der Tausch des Gehäuses auf der Baustelle oder in der fertigen Anlage – sind kosten- und zeitintensiv. Eine sorgfältige Tiefenplanung in der Konstruktionsphase spart erheblichen Aufwand.

Wann reicht eine Tiefe von 200 mm – und wann nicht?

Eine Schranktiefe von 200 mm reicht dann aus, wenn ausschließlich flache Komponenten wie Reihenklemmen, Leitungsschutzschalter, kleine Netzteile und kompakte Kleinsteuerungen verbaut werden und keine aufwändige Kabelführung erforderlich ist. Sobald Frequenzumrichter, größere SPS-Systeme oder umfangreiche Verdrahtung ins Spiel kommen, ist 200 mm in der Regel zu wenig.

Typische Anwendungen, bei denen 200 mm ausreicht:

  • Einfache Anschlusskästen und Klemmengehäuse
  • Kleinsteuerungen mit einer einzigen kompakten SPS ohne Erweiterungsmodule
  • Schaltschränke für reine Signalverarbeitung ohne Leistungsteile
  • Gehäuse für die Feldebene mit wenigen Ein-/Ausgängen

Typische Anwendungen, bei denen 200 mm nicht ausreicht:

  • Modulare SPS-Systeme mit mehreren Baugruppen
  • Frequenzumrichter ab mittlerer Leistungsklasse mit Kühlkörpertiefe
  • Schaltschränke mit Schwenkrahmen, da dieser selbst Bautiefe beansprucht
  • Applikationen mit hohem Kabelvolumen und Kabelkanälen in beiden Achsen
  • Steuerungen mit Touchpanel oder Display auf der Türinnenseite

Welche Normen und Zertifizierungen beeinflussen die Tiefenwahl?

Die Tiefenwahl bei Wandschaltschränken wird maßgeblich durch die DIN EN 61439 (Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen) sowie die DIN VDE 0100 beeinflusst. Diese Normen legen unter anderem Mindestabstände zwischen spannungsführenden Teilen und dem Gehäuse, Anforderungen an die Wärmeabfuhr sowie Bedingungen für die Zugänglichkeit zu Wartungspunkten fest.

Darüber hinaus können branchenspezifische Anforderungen die Tiefenwahl beeinflussen:

  • Schutzart IP54 oder IP65: Höhere Schutzarten erfordern dickere Dichtungen und robustere Verschlusssysteme, was die nutzbare Innenraumtiefe geringfügig reduziert.
  • Bahnzulassungen (z. B. EN 45545): Schienenfahrzeuganwendungen schreiben spezifische Materialien und Konstruktionsprinzipien vor, die die Gehäusegeometrie beeinflussen können.
  • ATEX-Anforderungen: In explosionsgefährdeten Bereichen gelten besondere Gehäusekonstruktionen, die eigene Tiefenvorgaben mitbringen.
  • Maschinenrichtlinie (2006/42/EG): Für Steuerungen, die Teil einer Maschine sind, gelten Anforderungen an die Zugänglichkeit für Wartung und Inspektion, die eine ausreichende Einbautiefe voraussetzen.

Wer Schaltschränke für international tätige Kunden oder regulierte Branchen wie die Medizintechnik fertigt, sollte die jeweils geltenden Normen frühzeitig in die Konstruktionsplanung einbeziehen, um spätere Anpassungen zu vermeiden.

So unterstützt Dessauer SG bei der richtigen Tiefenwahl

Wir bei Dessauer SG wissen aus langjähriger Erfahrung im Maschinen- und Anlagenbau, dass die Tiefenwahl eines Wandschaltschranks über Erfolg oder Nacharbeit in der Fertigung entscheidet. Mit unserem DessaCompact-Variantensystem bieten wir Ihnen Wandschaltschränke in Tiefen von 120 bis 400 mm in 5-mm-Stufen – damit finden Sie immer die exakt passende Einbautiefe, ohne Kompromisse bei der Komponentenanordnung eingehen zu müssen.

Was wir für Sie leisten:

  • Individuelle Maßanfertigung: Sondermaße in Höhe, Breite und Tiefe nach Ihrer Zeichnung oder Spezifikation – kein Aufpreis für Standardabweichungen innerhalb unseres Variantensystems.
  • Materialauswahl: Stahlblech pulverbeschichtet in kundenspezifischen RAL-Farben oder Edelstahl – je nach Umgebungsbedingung und Schutzanforderung.
  • Ausbrüche und Bearbeitungen: Kabeleinführungen, Lüftungskiemen, Gewindeschweißbolzen und Bohrungen nach Zeichnungsvorlage direkt ab Werk.
  • Kurze Lieferzeit: Während Wettbewerber bei kundenindividuellen Schaltschränken 8 bis 12 Wochen benötigen, liefern wir in 15 Tagen.
  • Zertifiziertes Qualitätsmanagement: Jeder Schrank durchläuft unsere interne Qualitätskontrolle über die gesamte Wertschöpfungskette.

Sprechen Sie uns an: Unsere Ansprechpartner bei Dessauer SG beraten Sie bei der Tiefenwahl, klären technische Details und erstellen Ihnen ein konkretes Angebot – damit Ihr Wandschaltschrank beim ersten Anlauf passt.

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