Ein leeres Gehäuse schützt eine Anlage, weil es die mechanische, elektrische und chemische Barriere zwischen empfindlichen Komponenten und ihrer Umgebung bildet. Selbst ohne eingebaute Elektronik übernimmt das Gehäuse aktive Schutzfunktionen: Es hält Feuchtigkeit, Staub, mechanische Einwirkungen und elektromagnetische Störungen fern. Die folgenden Abschnitte erläutern, welche Normen, Materialien und Einsatzszenarien dabei entscheidend sind.
Welche Schutzfunktionen übernimmt ein Gehäuse ohne Einbauten?
Ein leeres Schaltschrankgehäuse übernimmt vier grundlegende Schutzfunktionen: mechanischen Schutz gegen Stöße und Eingriffe, Schutz gegen Feuchtigkeit und Staub, Schutz vor chemischen Einflüssen sowie eine erste Barriere gegen elektromagnetische Störungen. Diese Funktionen wirken unabhängig davon, ob sich Einbauten im Inneren befinden.
Das Gehäuse bildet eine physische Hülle, die das spätere Innenleben definiert und schützt. Schon in leerem Zustand dichtet es den Innenraum gegen die Umgebung ab. Eine doppelt abgekantete, umlaufende Dichtkante verhindert beispielsweise das Eindringen von Spritzwasser und Schmutz. Das ist besonders relevant in Produktionsumgebungen, in denen Kühlmittel, Staub oder aggressive Reinigungsmittel im Umlauf sind.
Darüber hinaus schützt das Gehäuse als mechanische Struktur vor unbeabsichtigten Berührungen und versehentlichen Beschädigungen. Wer in einer Produktionshalle arbeitet, weiß: Werkzeuge fallen um, Gabelstapler fahren zu nah, Reinigungsgeräte stoßen gegen Schränke. Ein stabiles Gehäuse aus Stahlblech oder Edelstahl fängt solche Einwirkungen ab, bevor sie die empfindliche Elektronik dahinter erreichen.
Was passiert mit einer Anlage, wenn das Gehäuse fehlt oder beschädigt ist?
Fehlt das Gehäuse oder ist es beschädigt, verlieren alle eingebauten Komponenten ihren definierten Schutzgrad. Feuchtigkeit, Staub und mechanische Einwirkungen können direkt auf Steuerungselektronik, Klemmen und Leitungen einwirken. Das Ergebnis sind Kurzschlüsse, Korrosionsschäden, Systemausfälle und im schlimmsten Fall Gefährdungen für Personen.
In der Praxis zeigt sich das häufig schleichend: Ein kleiner Riss in der Dichtung, eine verbogene Tür, ein fehlendes Verschlusselement. Die Anlage läuft zunächst weiter, aber Feuchtigkeit dringt ein, Kontakte oxidieren, Isolierungen degradieren. Erst wenn ein Bauteil ausfällt, wird der Zusammenhang mit dem beschädigten Gehäuse sichtbar.
Besonders kritisch ist der Ausfall in Bereichen mit erhöhten Anforderungen: in der Lebensmittelindustrie, im Außenbereich oder in Anlagen mit explosionsgefährdeten Zonen. Dort kann ein fehlendes Schutzgehäuse nicht nur zu Maschinenausfällen führen, sondern auch zur Verletzung gesetzlicher Anforderungen und zum Erlöschen von Zulassungen.
Welche Normen und Schutzklassen gelten für leere Industriegehäuse?
Für Industriegehäuse gelten in Europa primär die IP-Schutzklassen nach DIN EN 60529 sowie die IK-Stoßfestigkeitsklassen nach EN 62262. Der IP-Code beschreibt den Schutz gegen Fremdkörper und Wasser in zwei Ziffern. Ein leeres Gehäuse mit der Kennzeichnung IP65 ist vollständig staubdicht und gegen Strahlwasser geschützt.
Die erste IP-Ziffer beschreibt den Schutz gegen feste Fremdkörper und reicht von 0 (kein Schutz) bis 6 (staubdicht). Die zweite Ziffer beschreibt den Wasserschutz von 0 (kein Schutz) bis 9K (Hochdruckreinigung). Für die meisten Industrieanlagen in Innenräumen ist IP54 oder IP65 üblich. Außenanlagen oder Anlagen in Waschhallen benötigen häufig IP66 oder höher.
Wichtig zu verstehen: Der angegebene Schutzgrad gilt für das Gehäuse als Gesamtsystem, nicht nur für das Blech selbst. Dichtungen, Verschlüsse, Kabeldurchführungen und Ausbrüche müssen alle dem angegebenen IP-Grad entsprechen. Ein Gehäuse verliert seinen Schutzgrad, sobald eine Kabeldurchführung nicht normgerecht abgedichtet wird.
Warum beeinflusst die Gehäusematerialwahl den Schutzgrad der Anlage?
Das Material eines Schutzgehäuses bestimmt maßgeblich, welchen Umgebungsbedingungen es langfristig standhält. Stahlblech mit Pulverlackierung bietet einen guten Korrosionsschutz für Standardumgebungen. Edelstahl ist die richtige Wahl bei aggressiven Medien, Feuchtigkeit oder Anforderungen an Reinigbarkeit. Aluminium kommt dort zum Einsatz, wo Gewicht eine Rolle spielt.
Stahlblech mit Pulverlackierung
Pulverbeschichtetes Stahlblech ist die wirtschaftlichste und am weitesten verbreitete Lösung für Schaltschrankgehäuse in Innenräumen und kontrollierten Außenbereichen. Die Beschichtung schützt vor Korrosion, ist mechanisch belastbar und in nahezu jeder RAL-Farbe lieferbar. Für Anwendungen ohne direkte chemische Belastung ist diese Ausführung in den meisten Fällen ausreichend.
Edelstahl
Edelstahlgehäuse sind in der Lebensmittelindustrie, Pharmaindustrie und überall dort Standard, wo Reinigungschemikalien, Desinfektionsmittel oder aggressive Prozessmedien auf das Gehäuse einwirken. Edelstahl ist korrosionsbeständig, leicht zu reinigen und erfüllt hygienische Anforderungen. Der höhere Materialpreis ist in diesen Einsatzbereichen durch die deutlich längere Standzeit und die Einhaltung von Branchenvorschriften gerechtfertigt.
Die Materialwahl hat außerdem Einfluss auf die elektromagnetische Verträglichkeit. Metallgehäuse aus Stahl oder Edelstahl bilden einen Faradayschen Käfig und schirmen empfindliche Elektronik gegen elektromagnetische Störfelder ab. Das ist in Umgebungen mit Frequenzumrichtern, Schweißanlagen oder Hochfrequenzquellen ein entscheidender Vorteil gegenüber Kunststoffgehäusen.
Wann sollte ein Standardgehäuse durch eine Sonderlösung ersetzt werden?
Ein Standardgehäuse stößt an seine Grenzen, wenn die Einbausituation, die Schutzanforderungen oder die Zertifizierungspflichten nicht durch Serienmaße abgedeckt werden. In diesen Fällen ist eine maßgeschneiderte Sonderlösung nicht nur sinnvoll, sondern technisch notwendig.
Typische Situationen, in denen ein individuelles Gehäuse gegenüber einem Standardprodukt überlegen ist:
- Die verfügbare Einbaufläche weicht von Standardmaßen ab und erfordert ein Gehäuse mit spezifischen Außenabmessungen
- Die Anlage benötigt spezielle Ausbrüche, Kabeldurchführungen oder Befestigungspunkte, die werksseitig nicht vorgesehen sind
- Branchenspezifische Zertifizierungen wie Bahnzulassungen oder Ex-Schutzanforderungen schreiben bestimmte Materialien oder Konstruktionsprinzipien vor
- Mehrere Schränke sollen aneinandergereiht oder in eine Maschineneinhausung integriert werden
- Die Umgebungsbedingungen erfordern einen Schutzgrad, der durch Standardgehäuse nicht erreichbar ist
Ein häufiger Fehler in der Praxis: Konstrukteure greifen zu einem Standardgehäuse und lassen es nachträglich bearbeiten, weil kein passendes Sondergehäuse verfügbar zu sein scheint. Das ist in der Regel teurer und langsamer als eine von Anfang an maßgefertigte Lösung. Nachträgliche Bohrungen, Schweißarbeiten und Nachbeschichtungen kosten Zeit und können den ursprünglichen Schutzgrad beeinträchtigen, wenn sie nicht fachgerecht ausgeführt werden. Eine frühzeitige Abstimmung mit dem Gehäusehersteller ist daher die wirtschaftlichere Entscheidung.
Wie Dessauer SG bei der Gehäuseauswahl und Sonderfertigung unterstützt
Wir bei Dessauer SG entwickeln und fertigen Schaltschrankgehäuse, Schutzgehäuse und Maschineneinhausungen für anspruchsvolle Industrieumgebungen. Dabei begleiten wir Sie von der ersten technischen Anforderung bis zur fertigen Lösung.
Unser DessaCompact-Wandschaltschrank-Variantensystem bietet Ihnen:
- Maße in Höhen von 300 bis 1.200 mm, Breiten von 200 bis 1.200 mm und Tiefen von 120 bis 400 mm in 5-mm-Stufen
- Ausführungen in pulverbeschichtetem Stahlblech oder Edelstahl, auf Wunsch in kundenspezifischen RAL-Farben
- Individuelle Ausbrüche, Bohrungen, Lüftungskiemen und Gewindeschweißbolzen nach Zeichnungsvorlage
- Verschlusssysteme und Betätigungen nach Ihren Anforderungen
- Lieferung in 15 Tagen für kundenindividuelle Lösungen, während Wettbewerber typischerweise 8 bis 12 Wochen benötigen
Unsere Schweißtechnik und der hochmoderne Maschinenpark ermöglichen eine weitgehend interne Fertigung, die wir durch ein zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem absichern. So behalten Sie als Kunde jederzeit Transparenz über Fertigungsstand und Liefertermin.
Wenn Sie wissen möchten, welche Gehäuselösung für Ihre spezifische Anlage geeignet ist, sprechen Sie direkt mit unseren Experten. Unsere Ansprechpartner beraten Sie technisch und helfen Ihnen, die richtige Lösung von Anfang an zu definieren.
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