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Wie verändert Industrie 4.0 die Anforderungen an den Wandschaltschrank?

Offener Stahlschrank zur Wandmontage mit Montageschienen und Kabeleinführungen in industrieller Werkstattumgebung.

Industrie 4.0 verändert die Anforderungen an den Wandschaltschrank grundlegend: Mehr Elektronik, höhere Wärmelasten, durchgängige Vernetzung und strengere Schutzanforderungen machen den klassischen Gehäusekasten zum aktiven Bestandteil digitaler Fertigungsinfrastrukturen. Diese Entwicklung betrifft jeden, der Maschinen, Anlagen oder Steuerungssysteme plant und betreibt. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Schaltschrank Anforderungen im Zeitalter von Industrie 4.0.

Welche technischen Anforderungen stellt Industrie 4.0 an Schaltschränke?

Industrie 4.0 stellt an Schaltschränke deutlich höhere technische Anforderungen als klassische Automatisierungslösungen: Mehr Rechenleistung, permanente Datenkommunikation, höhere Verlustleistungen und die Integration von IIoT-Komponenten erfordern eine grundlegend andere Gehäuseplanung als noch vor zehn Jahren.

Im Kern geht es darum, dass der Wandschaltschrank heute nicht mehr nur Klemmen, Sicherungen und Schütze beherbergt. Stattdessen finden sich darin Industrie-PCs, Edge-Computing-Einheiten, Feldbuskomponenten, Switches und Kommunikationsmodule. Diese Komponenten erzeugen Wärme, sind empfindlich gegenüber elektromagnetischen Störungen und benötigen geregelte Betriebsbedingungen.

Konkret ergeben sich daraus folgende Anforderungen an den modernen Schaltschrank:

  • Ausreichend dimensioniertes Innenvolumen für zusätzliche digitale Komponenten
  • Strukturierte Kabelführung für Energie- und Datenleitungen getrennt voneinander
  • EMV-gerechter Aufbau zum Schutz empfindlicher Elektronik
  • Thermisches Management für höhere und dauerhaftere Wärmelasten
  • Modulare Erweiterbarkeit, da sich Anforderungen im Betrieb verändern können

Wer diese Anforderungen bereits in der Konstruktionsphase berücksichtigt, spart aufwendige Nachrüstungen und vermeidet Ausfälle durch thermische oder elektromagnetische Probleme.

Wie verändert die Vernetzung von Maschinen das Innenleben eines Wandschaltschranks?

Die zunehmende Vernetzung von Maschinen im Rahmen von IIoT und digitaler Fertigung verwandelt das Innenleben eines Wandschaltschranks von einer rein elektrischen Verteilungseinheit in eine kommunikationsfähige Systemzentrale. Neben der klassischen Steuerungstechnik müssen Netzwerkkomponenten, Gateways und Sensorauswertungen Platz finden.

Praktisch bedeutet das: Die Anzahl der Komponenten im Gehäuse steigt, während der verfügbare Einbauraum häufig gleich bleibt. Gleichzeitig müssen Datenleitungen und Energieversorgung konsequent getrennt verlegt werden, um Störeinflüsse zu vermeiden. Feldbussysteme wie PROFINET, EtherCAT oder OPC-UA erfordern dedizierte Switches und strukturierte Anschlusspunkte.

Hinzu kommt die Anforderung an Fernwartbarkeit: Viele Anlagen werden heute über gesicherte Netzwerkverbindungen überwacht und parametriert. Das setzt voraus, dass entsprechende Kommunikationsmodule sicher und dauerhaft im Schaltschrank integriert sind, ohne den Schutz des Gehäuses zu kompromittieren. Durchführungen für Datenleitungen müssen daher ebenso sorgfältig abgedichtet sein wie Energiekabel.

Warum werden Wärmemanagement und Klimatisierung im Schaltschrank wichtiger?

Wärmemanagement wird im vernetzten Schaltschrank wichtiger, weil die Verlustleistung moderner Elektronikkomponenten deutlich höher ist als bei klassischer Steuerungstechnik und weil digitale Bauteile empfindlicher auf Temperaturschwankungen reagieren. Überhitzung ist heute eine der häufigsten Ursachen für ungeplante Anlagenausfälle.

Industrie-PCs, Frequenzumrichter und Kommunikationseinheiten erzeugen kontinuierliche Wärme, die abgeführt werden muss. Ohne aktives oder passives Thermomanagement steigen die Innentemperaturen schnell über die zulässigen Betriebsgrenzen der verbauten Komponenten. Das Ergebnis sind vorzeitige Ausfälle, Datenverluste oder im schlimmsten Fall Schäden an der gesamten Steuerungseinheit.

Für die Gehäuseplanung bedeutet das: Lüftungsöffnungen, Filterlüfter oder aktive Kühlgeräte müssen von Anfang an eingeplant werden. Bei Wandschaltschränken, die in staubigen, feuchten oder spritzwasserbelasteten Umgebungen eingesetzt werden, muss das Kühlkonzept gleichzeitig die geforderte Schutzart einhalten. Lüftungskiemen und Filtermatten sind dabei keine Kompromisslösung, sondern bewährte Konstruktionsmittel, die sich in die Gehäusegeometrie integrieren lassen, ohne den Schutz zu reduzieren.

Welche Schutzarten und Zertifizierungen sind für vernetzte Schaltschränke relevant?

Für vernetzte Schaltschränke im industriellen Umfeld sind vor allem die Schutzarten nach IEC 60529 (IP-Klassifizierung) sowie die EMV-Richtlinie relevant. Je nach Einsatzbereich kommen branchenspezifische Zertifizierungen hinzu, etwa für den Bahnbereich, die Lebensmittelindustrie oder explosionsgefährdete Bereiche.

Die IP-Schutzart gibt an, wie gut ein Gehäuse gegen das Eindringen von Fremdkörpern und Feuchtigkeit geschützt ist. IP54 ist in vielen Industrieumgebungen ein Mindeststandard, IP65 oder IP66 werden verlangt, wenn Reinigungsprozesse mit Wasserstrahl stattfinden. Für Außenanwendungen oder besonders raue Bedingungen kann IP67 oder höher gefordert sein.

Darüber hinaus spielen folgende Aspekte bei vernetzten Anlagen eine zunehmend wichtige Rolle:

  • EMV-Konformität: Digitale Kommunikationsmodule können elektromagnetische Störungen erzeugen und müssen durch geerdete Gehäuse und korrekte Schirmung abgeschirmt werden
  • UL-Zertifizierung: Für den nordamerikanischen Markt häufig Voraussetzung
  • Bahnzulassungen: Für Schienenfahrzeuganwendungen gelten spezifische Normen wie EN 45545 (Brandschutz) und EN 61373 (Schock und Vibration)
  • ATEX: Für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen

Wer Schaltschränke für unterschiedliche Märkte oder Branchen plant, sollte die relevanten Zertifizierungsanforderungen frühzeitig in die Gehäuseauslegung einbeziehen, da nachträgliche Anpassungen aufwendig und kostspielig sind.

Wann lohnt sich ein individueller Wandschaltschrank gegenüber einer Standardlösung?

Ein individueller Wandschaltschrank lohnt sich immer dann, wenn Standardmaße nicht passen, spezifische Schutzarten oder Zertifizierungen gefordert sind oder die Einbausituation besondere Geometrien verlangt. Im Kontext von Industrie 4.0 steigt der Bedarf an maßgeschneiderten Lösungen, weil die Komponentenvielfalt zunimmt und Standardgehäuse häufig weder die nötige Tiefe noch die passenden Ausbrüche bieten.

Konkret sprechen folgende Situationen für eine individuelle Lösung:

  • Die Anlage hat beengte Platzverhältnisse, die eine exakte Maßabstimmung erfordern
  • Kundenspezifische Ausbrüche, Bohrungen oder Kabeldurchführungen sind notwendig
  • Branchenspezifische Zertifizierungen schließen Standardprodukte aus
  • Das Gehäuse muss in ein bestehendes Maschinendesign oder Corporate Design integriert werden
  • Sondermaterialien wie Edelstahl sind aus Hygienegründen oder Korrosionsschutzgründen erforderlich

Standardgehäuse bieten dann Vorteile, wenn die Anforderungen einfach sind, keine besonderen Schutzarten gefordert werden und die Stückzahlen gering sind. Sobald jedoch mehrere Sonderbedingungen zusammentreffen, überwiegen die Vorteile einer maßgeschneiderten Lösung: bessere Raumausnutzung, sauberere Integration und geringere Montageaufwände vor Ort.

Wie Dessauer SG Sie bei vernetzten Schaltschranklösungen unterstützt

Wir bei Dessauer SG entwickeln und fertigen individuelle Wandschaltschränke, die den Anforderungen von Industrie 4.0 von Anfang an gerecht werden. Unser DessaCompact-Variantensystem bietet Ihnen präzise abgestufte Maße von 300 bis 1.200 mm Höhe und 200 bis 1.200 mm Breite in 5-mm-Schritten, damit Ihr Gehäuse exakt in die geplante Einbausituation passt. Auf Wunsch integrieren wir Lüftungskiemen, Ausbrüche für Datendurchführungen, Gewindeschweißbolzen und individuelle Verschlusssysteme direkt in der Fertigung.

Was uns von Standardanbietern unterscheidet:

  • Lieferung kundenindividueller Schaltschränke in 15 Tagen statt der branchenüblichen 8 bis 12 Wochen
  • Fertigung aus Stahlblech oder Edelstahl mit pulverbeschichteter Oberfläche in Ihrer RAL-Farbe
  • Realisierung branchenspezifischer Anforderungen, darunter Bahnzulassungen und besondere Schutzarten
  • Vollständig interne Fertigung für maximale Qualitätskontrolle über den gesamten Prozess
  • Begleitung von der Konstruktion bis zur montagefertigen Baugruppenlösung

Haben Sie konkrete Anforderungen an Ihren nächsten Wandschaltschrank? Sprechen Sie uns an: Unsere Ansprechpartner beraten Sie technisch fundiert und unverbindlich zu Ihrer individuellen Lösung.

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