Bei der Planung eines Wandschaltschranks sind vor allem die richtigen Abmessungen, die passende Schutzklasse, das geeignete Material und die Einhaltung relevanter Normen entscheidend. Diese Faktoren hängen eng mit dem Einsatzort, den Umgebungsbedingungen und den elektrischen Anforderungen zusammen. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Planungsfragen, die sich Techniker und Einkäufer in der Praxis stellen.
Welche Maße und Schutzklassen sind für einen Wandschaltschrank entscheidend?
Die Maße eines Wandschaltschranks richten sich nach dem verfügbaren Einbauraum, dem Platzbedarf der einzubauenden Komponenten und den Anforderungen an die Kabelführung. Die Schutzklasse wird durch den Einsatzort bestimmt: IP54 ist für staubarme Innenräume mit gelegentlichem Spritzwasser geeignet, während IP65 vollständigen Schutz gegen Staub und Strahlwasser bietet und für rauere Industrieumgebungen vorgesehen ist.
Bei den Abmessungen gilt als Faustregel: Höhe, Breite und Tiefe sollten nicht nur den aktuellen Komponentenbedarf abdecken, sondern auch Reserven für spätere Erweiterungen lassen. Typische Wandschaltschrank-Maße beginnen bei kompakten Formaten wie 300 x 200 mm und reichen bis zu 1.200 x 1.200 mm. Die Tiefe ist besonders relevant, wenn Hutschienen, Schwenkrahmen oder tiefe Baugruppen verbaut werden sollen.
Wandschaltschrank IP54 vs. IP65: Was ist der Unterschied?
IP54 bedeutet: Schutz gegen begrenzten Staubeintritt und Spritzwasser aus allen Richtungen. IP65 bedeutet: vollständiger Schutz gegen Staub sowie gegen Strahlwasser. In der Praxis ist IP65 die bevorzugte Schutzart in Produktionshallen mit Reinigungsprozessen, Außenanlagen oder in der Lebensmittel- und Umwelttechnik. IP54 genügt oft in Schalträumen oder geschlossenen Maschinengehäusen ohne direkte Wasserexposition.
Welche Maße sind für Wandschaltschränke im Maschinenbau üblich?
Im Maschinen- und Anlagenbau sind Wandschaltschränke mit Höhen zwischen 400 und 800 mm, Breiten zwischen 300 und 600 mm und Tiefen von 150 bis 300 mm besonders verbreitet. Diese Formate lassen sich gut in Maschinenrahmen integrieren und bieten ausreichend Platz für Klemmenleisten, Sicherungsautomaten und Steuerungskomponenten. Für spezifische Einbausituationen sind jedoch Sondermaße oft die sinnvollere Wahl.
Welches Material ist für Wandschaltschränke am besten geeignet?
Für die meisten industriellen Anwendungen ist Stahlblech mit Pulverbeschichtung die wirtschaftlichste und robusteste Wahl. Edelstahl empfiehlt sich überall dort, wo erhöhte Korrosionsbeständigkeit gefordert ist, etwa in der Lebensmittelindustrie, der Medizintechnik oder im Außenbereich mit aggressiven Umgebungsbedingungen.
Stahlblech-Wandschaltschränke werden standardmäßig in RAL 7035 pulverbeschichtet, einer lichtgrauen Farbe, die sich in der Industrie als Norm etabliert hat. Auf Wunsch sind aber auch andere RAL-Farben oder eine Grundierung für eigene Nachlackierungen möglich. Edelstahlgehäuse bieten zusätzlich den Vorteil, dass sie sich leichter reinigen lassen und keine Lackschäden durch chemische Einwirkung entstehen.
Aluminium spielt bei Wandschaltschränken eine untergeordnete Rolle, wird aber eingesetzt, wenn ein geringes Eigengewicht ausschlaggebend ist, zum Beispiel bei mobilen Anlagen oder fahrzeuggebundenen Applikationen.
Wie viel Platz sollte im Wandschaltschrank eingeplant werden?
Als Planungsregel gilt: Mindestens 20 bis 30 Prozent des nutzbaren Innenraums sollten als Reserve eingeplant werden. Das betrifft sowohl die Fläche auf der Montageplatte als auch den Freiraum für Kabelführung, Wärmeabfuhr und spätere Erweiterungen.
Konkret bedeutet das: Wenn Sie die Komponenten auflisten und deren Platzbedarf addieren, sollte das Ergebnis nicht mehr als 70 bis 75 Prozent der verfügbaren Montagefläche ausfüllen. Besonders unterschätzt wird häufig der Platzbedarf für Kabelkanäle, Erdungsschienen und den Mindestabstand zwischen wärmeentwickelnden Bauteilen.
Auch die Tiefe des Schranks verdient besondere Aufmerksamkeit: Ein Schwenkrahmen, der das Arbeiten an der Rückseite der Montageplatte erleichtert, benötigt in der Regel eine Mindesttiefe von 200 mm. Frequenzumrichter oder tiefe Netzteile können weitere Anforderungen stellen. Diese Anforderungen sollten bereits in der Konstruktionsphase berücksichtigt werden, nicht erst beim Einbau.
Welche Normen und Zertifizierungen müssen bei Wandschaltschränken eingehalten werden?
Wandschaltschränke müssen in der Regel die DIN EN 62208 erfüllen, die Mindestanforderungen an leere Gehäuse für Niederspannungs-Schaltanlagen definiert. Für die fertig bestückte Anlage ist zusätzlich die DIN EN 61439 relevant, die Anforderungen an Schaltgerätekombinationen regelt. Die CE-Kennzeichnung ist für den europäischen Markt verpflichtend.
Je nach Branche und Einsatzbereich kommen weitere Anforderungen hinzu:
- Bahntechnik: Zulassungen nach EN 50155 oder spezifische Anforderungen der Bahnbetreiber
- Medizintechnik: Anforderungen nach DIN EN 60601
- Explosionsgeschützte Bereiche (Ex-Schutz): ATEX-Richtlinie 2014/34/EU
- Maschinenbau: Maschinenrichtlinie 2006/42/EG in Verbindung mit der Niederspannungsrichtlinie
Es empfiehlt sich, die normativen Anforderungen bereits in der Konstruktionsphase zu klären, da nachträgliche Anpassungen an Gehäuse und Verdrahtung aufwendig und kostspielig sein können. Ein erfahrener Fertigungspartner, der die relevanten Normen kennt, kann hier frühzeitig unterstützen.
Wann ist eine Sonderlösung statt eines Standardschaltschranks sinnvoll?
Eine Sonderlösung ist dann sinnvoll, wenn Standardformate nicht in den vorgesehenen Einbauraum passen, wenn besondere Schutzanforderungen bestehen oder wenn die Integration in eine Maschine oder Anlage spezifische Ausschnitte, Bohrungen oder Anbauteile erfordert, die ein Seriengehäuse nicht bietet.
Typische Situationen, in denen ein individueller Wandschaltschrank gegenüber einem Standardprodukt überlegen ist:
- Der verfügbare Einbauraum weicht von Standardmaßen ab und erfordert millimetergenaue Anpassungen
- Die Anlage erfordert spezifische Kabeleinführungen, Lüftungskiemen oder Gewindeschweißbolzen an definierten Positionen
- Kundenspezifische RAL-Farben oder Oberflächenbehandlungen sind für die Designkonsistenz der Maschine notwendig
- Branchenspezifische Zertifizierungen erfordern besondere Gehäuseeigenschaften, die Standardprodukte nicht erfüllen
- Ein Schwenkrahmen oder besondere Verschlusssysteme müssen bereits ab Werk integriert sein
Der häufigste Einwand gegen Sonderlösungen ist die erwartete Lieferzeit. Tatsächlich liegen die branchenüblichen Lieferzeiten für kundenindividuelle Wandschaltschränke bei vielen Anbietern bei 8 bis 12 Wochen, was für viele Projektplanungen problematisch ist. Wer frühzeitig einen spezialisierten Hersteller einbindet, kann diesen Engpass vermeiden.
Wie Dessauer SG bei der Planung Ihres Wandschaltschranks unterstützt
Wir bei Dessauer SG haben den DessaCompact entwickelt, ein ausgereiftes Wandschaltschrank-Variantensystem, das Standardnähe mit individueller Fertigung verbindet. Damit bieten wir Ihnen eine konkrete Antwort auf die häufigsten Planungsprobleme:
- Maßgenauigkeit: Höhen von 300 bis 1.200 mm, Breiten von 200 bis 1.200 mm und Tiefen von 120 bis 400 mm, jeweils in 5-mm-Stufen
- Materialwahl: Stahlblech mit Pulverbeschichtung in kundenspezifischen RAL-Farben oder Edelstahl, je nach Anforderung
- Individuelle Ausführung: Ausschnitte, Bohrungen, Lüftungskiemen, Gewindeschweißbolzen und Schwenkrahmen nach Zeichnungsvorlage
- Kurze Lieferzeiten: Wir liefern kundenindividuelle Wandschaltschränke in 15 Tagen, während viele Wettbewerber 8 bis 12 Wochen benötigen
- Normkonformität: Unser zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem sichert die Einhaltung relevanter Normen über den gesamten Fertigungsprozess
Ob Sie einen einzelnen Prototypen oder eine Serienfertigung benötigen: Wir begleiten Sie von der ersten Konstruktionszeichnung bis zur fertigen Baugruppe. Nehmen Sie jetzt Kontakt zu unseren Ansprechpartnern auf und schildern Sie uns Ihre Anforderungen. Wir melden uns schnell mit einer konkreten Einschätzung.