Einen Wandschaltschrank sollte man kaufen, wenn die Eigenfertigung technisch aufwendig, wirtschaftlich ineffizient oder qualitativ nicht reproduzierbar ist. Für die meisten Industriebetriebe ist die Eigenherstellung ab einer gewissen Komplexität schlicht nicht wettbewerbsfähig. Die folgenden Fragen klären, wann der Kauf beim Spezialisten die bessere Entscheidung ist und worauf Sie dabei achten sollten.
Was spricht technisch gegen die Eigenfertigung eines Wandschaltschranks?
Die Eigenfertigung eines Wandschaltschranks scheitert in der Praxis meist an fehlender Fertigungstiefe, mangelnder Wiederholgenauigkeit und dem Aufwand für Schutzartprüfungen. Wer kein spezialisiertes Blechbearbeitungszentrum betreibt, kann weder die geforderte Maßhaltigkeit noch eine dauerhaft dichte Schweißnaht wirtschaftlich sicherstellen.
Technisch anspruchsvoll wird es insbesondere bei der Dichtkante: Eine doppelt abgekantete, umlaufende Dichtkante, wie sie für Schutzarten wie IP54 oder IP65 erforderlich ist, verlangt präzise Umformtechnik und kontrollierte Schweißprozesse. Abweichungen von wenigen Zehntelmillimetern können dazu führen, dass ein Gehäuse die Schutzanforderungen nicht erfüllt und eine Zertifizierung scheitert.
Hinzu kommt der Aufwand für die Oberflächenbehandlung: Pulverbeschichtung in definierten RAL-Farben, Grundierungen für Nachlackierungen oder Edelstahlausführungen erfordern eigene Anlagen und Prozesssteuerung. Wer diese Infrastruktur nicht vorhält, trägt erhebliche Qualitätsrisiken oder muss externe Dienstleister koordinieren, was Lieferzeiten und Kosten erhöht.
Welche Anforderungen kann ein Serienwandschaltschrank nicht erfüllen?
Standardisierte Wandschaltschränke von der Stange decken Standardmaße und Standardschutzarten ab. Sobald Ihre Anwendung spezifische Abmessungen, kundenspezifische Ausbrüche, Schwenkrahmen, Gewindeschweißbolzen oder besondere Zertifizierungen erfordert, stoßen Serienprodukte an ihre Grenzen.
Typische Anforderungen, die ein Serienwandschaltschrank nicht abbilden kann:
- Maße außerhalb gängiger Rastermaße, etwa wenn der Bauraum in einer Maschine exakt definiert ist
- Anwendungsspezifische Durchbrüche, Bohrungen oder Lüftungskiemen nach Zeichnung
- Individuelle Verschlusssysteme oder Betätigungen, zum Beispiel für Schaltschränke im Außeneinsatz oder in hygienisch sensiblen Bereichen
- Branchenspezifische Zulassungen, etwa Bahnzulassungen oder Anforderungen aus der Medizintechnik
- Lackierung in kundenspezifischen RAL-Farben oder mit Grundierung für die eigene Weiterbearbeitung
Gerade im Maschinenbau ist die Integration des Schaltschranks in das Gesamtdesign der Anlage oft entscheidend. Ein Serienprodukt erfordert dann Kompromisse bei der Montage oder beim Schutzkonzept, die sich langfristig als teurer erweisen als eine maßgefertigte Lösung.
Ab welcher Stückzahl lohnt sich der Kauf eines Wandschaltschranks beim Spezialisten?
Der Kauf beim Spezialisten lohnt sich wirtschaftlich bereits ab einem Einzelstück, wenn die Anforderungen komplex sind oder die interne Fertigungsinfrastruktur nicht vorhanden ist. Bei einfachen Standardgehäusen ohne Sonderanforderungen ist ein Serienprodukt oft kostengünstiger, sobald jedoch Individualisierung ins Spiel kommt, kehrt sich dieses Verhältnis um.
Bei Kleinstserien und Prototypen trägt der Spezialist die Rüst- und Entwicklungskosten effizienter, weil er dieselben Maschinen und Prozesse für viele Kunden nutzt. In der Serienfertigung profitieren Sie zusätzlich von Mengeneffekten und einer stabilen Qualität über alle Einheiten hinweg, ohne selbst in Maschinen, Schulung oder Qualitätssicherung investieren zu müssen.
Entscheidend ist weniger die Stückzahl als die Komplexität: Ein einzelner Wandschaltschrank mit Sondermaßen, Edelstahlausführung und applikationsspezifischen Ausbrüchen ist beim Spezialisten fast immer günstiger als in der Eigenfertigung, weil dort die Infrastruktur bereits vorhanden ist.
Wie wirkt sich die Lieferzeit auf die Make-or-Buy-Entscheidung aus?
Die Lieferzeit ist oft das entscheidende Argument gegen die Eigenfertigung. Wer intern fertigt, bindet Maschinenkapazitäten, Mitarbeiter und Planungsaufwand, die in der Kernfertigung fehlen. Gleichzeitig sind bei vielen Standardanbietern Lieferzeiten von acht bis zwölf Wochen für individuelle Schaltschränke branchenüblich, was Projektpläne empfindlich verzögern kann.
Für Maschinenbauer und Anlagenhersteller, die unter Termindruck stehen, ist die Beschaffung bei einem spezialisierten Hersteller mit kurzen Durchlaufzeiten häufig die einzige realistische Option. Wandschaltschränke mit kurzer Lieferzeit zu beziehen bedeutet, dass der Schaltschrank nicht zum Engpass im Projektzeitplan wird.
Beim Vergleich von Anbietern sollten Sie nicht nur den Nennwert der Lieferzeit prüfen, sondern auch, ob dieser für kundenindividuelle Sonderlösungen oder nur für Standardprodukte gilt. Ein Hersteller, der auch bei Sondermaßen und individuellen Ausführungen verlässliche Termine einhalten kann, hat einen erheblichen Vorteil gegenüber Anbietern, die Standardlieferzeiten für Serienware kommunizieren, bei Sonderwünschen aber deutlich länger brauchen.
Welche Fertigungsschritte übernimmt ein externer Schaltschrankbauer?
Ein spezialisierter Schaltschrankbauer übernimmt in der Regel die gesamte Wertschöpfungskette: von der Konstruktion und Platinenfertigung über Umformen, Schweißtechnik und Oberflächenbehandlung bis hin zur Baugruppenmontage. Das bedeutet, Sie übergeben eine Anforderung oder Zeichnung und erhalten ein fertig konfektioniertes Gehäuse.
Im Einzelnen umfasst das typischerweise:
- Konstruktion und Entwicklung: Auslegung der Geometrie, Auswahl des Materials, Berücksichtigung von Schutzart und Einbausituation
- Blechbearbeitung und Umformen: Laserschneiden, Stanzen, Abkanten und Prägen nach Zeichnung
- Schweißtechnik: Verbindung der Gehäuseteile mit reproduzierbarer Nahtqualität, die Dichtigkeit und Stabilität sichert
- Oberflächenbehandlung: Pulverbeschichtung in RAL-Farben, Grundierung oder Edelstahlpolitur je nach Anforderung
- Nachbearbeitung: Einbringen von Ausbrüchen, Bohrungen, Lüftungskiemen und Gewindeschweißbolzen nach Kundenvorgabe
- Montage: Bestückung mit Montageelementen, Schwenkrahmen oder weiteren Komponenten nach Bedarf
Diese Fertigungstiefe intern aufzubauen erfordert erhebliche Investitionen in Maschinen, Prozesse und Personal. Für die meisten Industriekunden ist es wirtschaftlich sinnvoller, diese Kapazitäten beim Spezialisten zu nutzen, statt sie selbst vorzuhalten.
Wann ist die Zusammenarbeit mit einem Fertigungspartner sinnvoller als eine Standardlösung?
Die Zusammenarbeit mit einem Fertigungspartner ist dann sinnvoller als eine Standardlösung, wenn Ihre Anforderungen technisch, geometrisch oder zertifizierungsseitig über das hinausgehen, was Katalogprodukte bieten. Das ist in der Praxis häufiger der Fall, als viele Einkäufer und Entwickler anfangs annehmen.
Konkrete Situationen, in denen ein Fertigungspartner die bessere Wahl ist:
- Die verfügbaren Einbaumaße weichen von Standardabmessungen ab und ein Serienprodukt würde Kompromisse bei der Montage erzwingen
- Die Anlage muss in einer bestimmten Schutzart zertifiziert werden, die das Serienprodukt nicht nachweislich erfüllt
- Das Erscheinungsbild des Schaltschranks muss zum Corporate Design der Maschine passen, etwa durch spezifische RAL-Farben oder Oberflächenstrukturen
- Es werden Sonderfunktionen wie Schwenkrahmen, spezifische Verriegelungen oder integrierte Kabeleinführungen benötigt
- Die Stückzahl ist zu gering für eine eigene Sonderkonstruktion, aber die Anforderungen sind zu spezifisch für ein Standardprodukt
Ein erfahrener Fertigungspartner begleitet Sie dabei von der ersten technischen Besprechung bis zur serienreifen Lösung. Gerade wenn Sie frühzeitig mit einem Ansprechpartner sprechen, lassen sich Konstruktionsaufwand und Kosten erheblich reduzieren, weil Anforderungen bereits in der Konzeptphase fertigungsgerecht gestaltet werden.
Wie Dessauer SG Sie bei der Wandschaltschrank-Entscheidung unterstützt
Wir bei Dessauer SG haben den DessaCompact als Wandschaltschrank-Variantensystem entwickelt, das die Lücke zwischen Serienprodukt und aufwendiger Sonderkonstruktion schließt. Konkret bedeutet das für Sie:
- Maße in 5-mm-Stufen: Höhen von 300 bis 1.200 mm, Breiten von 200 bis 1.200 mm und Tiefen von 120 bis 400 mm ermöglichen eine passgenaue Integration in nahezu jede Einbausituation
- Werkstoffwahl: Stahlblech mit Pulverlackierung in kundenspezifischen RAL-Farben oder Edelstahl, je nach Einsatzumgebung
- Individuelle Ausbrüche und Ausstattung: Bohrungen, Lüftungskiemen, Gewindeschweißbolzen, Schwenkrahmen und individuelle Verschlusssysteme nach Ihrer Zeichnung
- Lieferzeit von 15 Tagen auch für kundenindividuelle Ausführungen, während Wettbewerber bei Sonderlösungen oft acht bis zwölf Wochen benötigen
- Zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem und weitgehend interne Fertigung für maximale Kontrolle und Termintreue
Wenn Sie klären möchten, ob ein DessaCompact Wandschaltschrank Ihre Anforderungen erfüllt, sprechen Sie uns direkt an. Unsere Ansprechpartner beraten Sie technisch und helfen Ihnen, die wirtschaftlich sinnvollste Lösung für Ihre Anwendung zu finden.
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