Die Einbausituation beeinflusst die Wahl des Schaltschranks grundlegend: Sie bestimmt die erforderliche Schutzart, die geeigneten Abmessungen und Aufbauformen, die Materialwahl sowie die Frage, ob ein Standardgehäuse überhaupt ausreicht. Wer diese Parameter zu spät im Planungsprozess berücksichtigt, riskiert kostspielige Nacharbeiten oder Ausfälle im Betrieb. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Einbauort, Schutzklasse, Materialwahl und Sonderlösungen.
Welche Einbauorte gibt es für Schaltschränke?
Schaltschränke werden in drei grundlegenden Einbausituationen eingesetzt: im Innenraum (z. B. Schaltschrankkabinen, Maschinennähe in Produktionshallen), im Außenbereich (exponierte Aufstellung im Freien) sowie in besonderen Umgebungen wie Ex-Zonen, Reinräumen oder Fahrzeugen. Jeder Aufstellungsort stellt spezifische Anforderungen an Schutz, Material und Konstruktion.
Im industriellen Innenbereich stehen Wandschaltschränke häufig in Produktionshallen, an Maschinen oder in Schaltschrankräumen. Hier sind Staubentwicklung, Vibrationen und Spritzwasser typische Belastungen. Im Außenbereich kommen UV-Strahlung, Temperaturschwankungen, Regen und Korrosion hinzu. Sonderumgebungen wie Lebensmittelproduktion, Medizintechnik oder Schienenfahrzeuge erfordern darüber hinaus spezifische Zertifizierungen und Werkstoffe.
Auch die Art der Befestigung spielt eine Rolle: Wandmontage, bodenstehend auf Sockel oder in Maschinenrahmen integriert. Jede Variante beeinflusst die Zugänglichkeit für Wartung und Verkabelung und damit die sinnvolle Aufbauform des Gehäuses.
Wie bestimmt der Aufstellungsort die erforderliche Schutzart?
Der Aufstellungsort legt die Mindestanforderung an die Schutzart nach IP-Norm (IEC 60529) fest. Im trockenen Innenraum ohne Staubbelastung ist IP54 oft ausreichend; im Außenbereich oder in staubintensiven Umgebungen ist IP65 oder höher erforderlich. Die IP-Kennzahl beschreibt den Schutz gegen Fremdkörper (erste Ziffer) und Feuchtigkeit (zweite Ziffer).
IP54 vs. IP65: Was ist der Unterschied?
IP54 bedeutet Staubschutz gegen begrenzte Staubmengen und Schutz gegen allseitiges Spritzwasser. IP65 bietet vollständigen Staubschutz und Schutz gegen Strahlwasser aus jeder Richtung. Für Wandschaltschränke im Maschinenbau ist IP65 der häufig geforderte Standard, sobald Reinigungsprozesse mit Wasserschlauch oder Hochdruckreiniger stattfinden.
Wann sind höhere Schutzklassen notwendig?
IP66 und IP67 kommen zum Einsatz, wenn der Schaltschrank kurzzeitig unter Wasser stehen oder starkem Strahlwasser standhalten muss, etwa in der Lebensmittel- oder Getränkeindustrie. In Ex-Zonen gelten zusätzlich ATEX-Anforderungen, die über die IP-Norm hinausgehen und die gesamte Konstruktion des Gehäuses betreffen.
Welche Abmessungen und Aufbauformen sind je nach Einbausituation sinnvoll?
Die Einbausituation bestimmt direkt, welche Abmessungen und Aufbauformen praktikabel sind. Ein beengter Maschinenrahmen verlangt nach kompakten Wandschaltschränken mit präzisen Sondermaßen; ein Schaltschrankraum erlaubt größere, stehende Schränke mit Schwenkrahmen für komfortable Verkabelung. Die Aufbauform folgt dem verfügbaren Raum, dem Zugangskonzept und dem Einbauinhalt.
Wandschaltschränke eignen sich besonders für platzbeschränkte Situationen. Sie werden direkt an Wände oder Maschinenrahmen montiert und kommen ohne Stellfläche aus. Entscheidend ist dabei, dass Höhe, Breite und Tiefe exakt auf die vorhandene Einbausituation abgestimmt sind. Standardmaße passen häufig nicht, wenn Rohre, Kabelkanäle oder Nachbaraggregate den Einbauraum einschränken.
Ein Schwenkrahmen im Inneren des Schranks erleichtert die Verdrahtung erheblich: Er lässt sich aus dem Gehäuse herausschwenken, sodass die Rückseite der Montageplatte zugänglich wird. Diese Aufbauform empfiehlt sich überall dort, wo regelmäßige Wartung oder Erweiterungen eingeplant sind.
Welche Materialien eignen sich für welche Umgebungsbedingungen?
Für Wandschaltschränke stehen im Wesentlichen zwei Werkstoffe zur Wahl: Stahlblech mit Pulverbeschichtung und Edelstahl. Stahlblech, pulverbeschichtet in RAL 7035 oder einer anderen Wunschfarbe, ist die wirtschaftlichere Lösung für Standardumgebungen in Innenräumen und überdachten Außenbereichen. Edelstahl ist die richtige Wahl bei aggressiven Medien, Feuchtigkeit, Hygieneauflagen oder Außenaufstellung ohne Witterungsschutz.
Stahlblech pulverbeschichtet: Vorteile und Einsatzgrenzen
Pulverbeschichtetes Stahlblech bietet eine robuste Oberfläche, gute Korrosionsbeständigkeit unter normalen Bedingungen und ist in nahezu jeder RAL-Farbe lieferbar. Es eignet sich für den Großteil industrieller Innenanwendungen. Bei dauerhaftem Kontakt mit aggressiven Reinigungsmitteln, Salzwasser oder Säuredämpfen stößt die Beschichtung jedoch an ihre Grenzen.
Edelstahl: Wann ist er zwingend erforderlich?
Edelstahlgehäuse sind in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, in der Medizintechnik sowie im Außenbereich mit hoher Korrosionsbelastung Standard. Edelstahl ist pflegeleicht, widerstandsfähig gegen Chemikalien und erfüllt Hygieneauflagen, die pulverbeschichtetes Stahlblech nicht erfüllen kann. Der Mehrpreis ist in diesen Umgebungen durch die deutlich längere Standzeit gerechtfertigt.
Wann ist eine Sonderlösung statt eines Standardschranks notwendig?
Eine Sonderlösung ist dann notwendig, wenn Standardabmessungen, Standardmaterialien oder Standardzertifizierungen die Anforderungen der Einbausituation nicht erfüllen. Dies betrifft vor allem Anwendungen mit ungewöhnlichen Einbauraummaßen, besonderen Schutzanforderungen, spezifischen Ausbrüchen oder Durchführungen sowie Branchen mit Sonderzulassungen wie der Bahntechnik.
Typische Auslöser für eine Sonderlösung sind:
- Einbauraummaße, die kein Standardgehäuse abdeckt
- Kunden- oder branchenspezifische RAL-Farben abseits von RAL 7035
- Sonderausbrüche, Gewindeschweißbolzen oder Lüftungskiemen nach Zeichnung
- Zulassungsanforderungen wie Bahnzulassung oder ATEX
- Kombinierte Anforderungen an Schutzart, Material und Geometrie, die kein Katalogprodukt vereint
In diesen Fällen ist ein Fertigungspartner mit eigener Konstruktionsabteilung und interner Fertigung entscheidend, um Qualität und Lieferzeit kontrollieren zu können. Mehr über die Fertigungstiefe erfahren Sie unter Schweißtechnik bei Dessauer SG.
Welche Planungsfehler entstehen, wenn die Einbausituation zu spät berücksichtigt wird?
Wird die Einbausituation zu spät in die Planung einbezogen, entstehen typische Folgefehler: falsch dimensionierte Gehäuse, unzureichende Schutzarten, nachträgliche Sonderausbrüche oder komplette Neukonstruktionen kurz vor der Inbetriebnahme. Diese Fehler verursachen Zeitverzug, Mehrkosten und im schlimmsten Fall Betriebsausfälle.
Häufige Planungsfehler im Überblick:
- Schutzart zu niedrig gewählt: Ein für Innenräume ausgelegter Schrank wird in einer feuchten Produktionsumgebung eingesetzt und versagt frühzeitig.
- Abmessungen nicht mit dem Einbauraum abgeglichen: Nachträgliche Anpassungen an Wand, Kabelkanal oder Maschinenrahmen sind aufwendig und teuer.
- Material nicht auf die Umgebungschemie abgestimmt: Beschichtungsschäden durch Reinigungsmittel oder Korrosion durch Feuchtigkeit entstehen oft erst nach der Installation.
- Bestückungsplanung ohne Gehäusetiefe: Zu flache Gehäuse lassen sich nicht ordentlich verdrahten; Nachbestellungen verzögern die Inbetriebnahme.
- Zulassungsanforderungen nicht frühzeitig kommuniziert: Sonderzertifizierungen wie Bahnzulassungen müssen bereits bei der Konstruktion berücksichtigt werden und lassen sich nicht nachträglich aufsetzen.
Die Einbausituation sollte daher bereits in der frühen Konstruktionsphase gemeinsam mit dem Gehäusehersteller besprochen werden, nicht erst beim Einkauf. Nur so lassen sich Fehlbestellungen, Sondermaßnahmen und Lieferverzögerungen zuverlässig vermeiden.
Wie Dessauer SG bei der Schaltschrankauswahl unterstützt
Wir bei Dessauer SG wissen, dass die Einbausituation über den Projekterfolg entscheidet. Mit unserem Wandschaltschrank-Variantensystem DessaCompact bieten wir Ihnen eine Lösung, die auf nahezu jede Einbausituation zugeschnitten werden kann:
- Maße in 5-mm-Stufen: Höhen von 300 bis 1.200 mm, Breiten von 200 bis 1.200 mm, Tiefen von 120 bis 400 mm für passgenaue Integration in Ihre Anlage
- Materialwahl: Stahlblech pulverbeschichtet in Ihrer RAL-Farbe oder Edelstahl für anspruchsvolle Umgebungen
- Individuelle Ausbrüche und Ausführungen: Bohrungen, Lüftungskiemen, Gewindeschweißbolzen und Schwenkrahmen nach Ihrer Zeichnung
- Schutzarten bis IP65 und darüber hinaus für Innen- und Außenanwendungen im Maschinenbau
- Lieferzeit von 15 Werktagen für kundenindividuelle Schaltschränke, während der Wettbewerb 8 bis 12 Wochen benötigt
Unsere Fertigung erfolgt weitgehend intern, was uns volle Kontrolle über Qualität und Termine gibt. Sprechen Sie uns frühzeitig in Ihrem Planungsprozess an. Kontaktieren Sie Ihre Ansprechpartner bei Dessauer SG und klären Sie gemeinsam mit uns, welche Einbausituation Ihr Projekt stellt und welche Schaltschranklösung am besten passt.
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