Beim Kauf eines Wandschaltschranks für den Außenbereich sind Schutzart, Materialwahl und Kondensationsschutz die drei entscheidenden Faktoren. Ein Außenschaltschrank muss Witterungseinflüssen wie Regen, Staub, UV-Strahlung und Temperaturschwankungen dauerhaft standhalten, ohne dass die darin verbaute Elektronik Schaden nimmt. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen, die Sie vor der Auswahl oder Bestellung klären sollten.
Welche Schutzart braucht ein Wandschaltschrank im Außenbereich?
Für den Einsatz im Außenbereich ist mindestens die Schutzart IP54 erforderlich, in den meisten Fällen empfiehlt sich jedoch IP65. IP54 schützt gegen begrenzten Staubeintritt und Spritzwasser aus allen Richtungen, während IP65 vollständigen Staubschutz und Schutz gegen Strahlwasser bietet. Welche Schutzart ausreicht, hängt von den konkreten Umgebungsbedingungen ab.
Die IP-Schutzklasse (nach DIN EN 60529) besteht aus zwei Ziffern: Die erste beschreibt den Schutz gegen Fremdkörper und Staub, die zweite den Schutz gegen Wasser. Bei einem Wandschaltschrank, der dauerhaft im Freien montiert wird, sollten Sie grundsätzlich IP65 anstreben. Steht der Schrank unter einem überdachten Vordach oder in einer geschützten Nische, kann IP54 ausreichend sein.
Für besonders anspruchsvolle Umgebungen, etwa in der Nähe von Hochdruckreinigern oder in Küstennähe mit Salznebelbelastung, ist IP66 oder sogar IP67 sinnvoll. Im Maschinen- und Anlagenbau gilt die Faustregel: Im Zweifel eine Schutzklasse höher wählen, denn ein nachträglicher Austausch ist aufwendig und teuer.
Welches Material ist für Außenschaltschränke am besten geeignet?
Für Außenschaltschränke sind pulverbeschichtetes Stahlblech und Edelstahl die zwei gebräuchlichsten Materialien. Pulverbeschichtetes Stahlblech bietet ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und ist in nahezu allen Industrieumgebungen ausreichend korrosionsbeständig. Edelstahl empfiehlt sich überall dort, wo aggressive Medien, Feuchtigkeit oder Hygienevorschriften eine höhere Beständigkeit verlangen.
Pulverbeschichtetes Stahlblech
Stahlblech mit Pulverlackierung, typischerweise in RAL 7035 (lichtgrau), ist die Standardwahl für industrielle Außenanwendungen. Die Beschichtung schützt gegen Korrosion, UV-Strahlung und mechanische Einwirkungen. Entscheidend ist die Qualität der Vorbehandlung: Eine saubere Phosphatierung oder Grundierung vor der Pulverlackierung erhöht die Haftfestigkeit und Lebensdauer deutlich. Für Umgebungen mit normaler Witterungsbelastung ist diese Ausführung in der Regel vollkommen ausreichend.
Edelstahl
Edelstahl (meist 1.4301 oder 1.4404) ist die richtige Wahl bei erhöhter Korrosionsgefahr, etwa in der Lebensmittelindustrie, in Küstennähe oder im Bereich Umwelttechnik. Der Werkstoff ist wartungsärmer und langlebiger, aber auch deutlich teurer in der Anschaffung. Im Vergleich zu Stahlblech ist Edelstahl schwieriger zu verarbeiten, weshalb die Fertigungsqualität des Herstellers hier besonders ins Gewicht fällt.
Wie verhindert man Kondensatbildung im Außenschaltschrank?
Kondensatbildung entsteht, wenn warme, feuchte Luft im Inneren des Schaltschranks auf kältere Gehäusewände trifft und das Wasser ausfällt. Die wirksamsten Gegenmaßnahmen sind Heizungen, Lüftungskonzepte mit Filtern und eine möglichst luftdichte Abdichtung des Gehäuses. Welche Lösung passt, hängt von der Wärmelast der verbauten Komponenten und den Umgebungstemperaturen ab.
In der Praxis haben sich folgende Maßnahmen bewährt:
- Schaltschrankheizung: Hält die Innentemperatur konstant über dem Taupunkt und verhindert so das Auskondensieren von Feuchtigkeit. Besonders sinnvoll bei Schränken, die nicht dauerhaft unter Last stehen.
- Lüftungsfilter und Dachhaube: Ermöglichen einen kontrollierten Luftaustausch ohne direkten Wassereintrag. Geeignet, wenn die verbaute Elektronik aktiv Wärme erzeugt und diese abgeführt werden muss.
- Druckausgleichselemente: Spezielle Membranen gleichen Druckdifferenzen aus, ohne Feuchtigkeit einzulassen. Eine elegante Lösung für Gehäuse, die vollständig geschlossen bleiben sollen.
- Kondensatwasserablauf: Bei sehr feuchten Umgebungen kann eine kleine Ablauföffnung an der Unterseite des Gehäuses sinnvoll sein, die Wasser ablaufen lässt, ohne die Schutzart zu gefährden.
Wichtig: Kondensationsschutz ist keine Frage des Gehäuses allein. Auch die Wärmeentwicklung der verbauten Komponenten, die Einbaulage und die geografischen Klimabedingungen müssen in das Konzept einfließen.
Was sind die wichtigsten Maßkriterien bei der Auswahl?
Die wichtigsten Maßkriterien bei der Auswahl eines Wandschaltschranks sind Höhe, Breite und Tiefe des Gehäuses in Relation zum Einbauinhalt sowie den verfügbaren Platzverhältnissen am Montageort. Dabei gilt: ausreichend Reserveplatz einplanen, denn nachträgliche Erweiterungen sind bei Außeninstallationen aufwendig.
Folgende Punkte sollten Sie bei den Abmessungen konkret prüfen:
- Einbautiefe: Bestimmt, ob Komponenten wie Reihenklemmen, Frequenzumrichter oder SPS-Baugruppen mit ausreichend Kabelführungsraum untergebracht werden können. Typische Tiefen liegen zwischen 120 und 400 mm.
- Montageplatte: Maßgeblich für die nutzbare Fläche im Innenraum. Sie sollte ausreichend dimensioniert sein, um alle Komponenten mit Mindestabständen zu montieren.
- Türöffnungswinkel: Im Außenbereich oft unterschätzt. Ein Öffnungswinkel von mindestens 120 Grad erleichtert die Wartung erheblich, besonders wenn der Schrank an einer Wand oder in einer Ecke montiert ist.
- Wandabstand und Befestigungspunkte: Die Rückwand muss ausreichend Befestigungslöcher bieten, um den Schrank sicher und eben montieren zu können.
Standardmaße decken viele Anwendungen ab, reichen aber bei engen Einbausituationen oder ungewöhnlichen Komponentenkombinationen häufig nicht aus. In solchen Fällen lohnt sich der Blick auf Hersteller, die Wandschaltschränke in Sondermaßen in feingranularen Abstufungen anbieten.
Welche Normen und Zertifizierungen sind für Außenschaltschränke relevant?
Für Außenschaltschränke sind vor allem die DIN EN 60529 (Schutzarten durch Gehäuse, IP-Code) und die DIN EN IEC 62262 (IK-Code für Stoßfestigkeit) relevant. Hinzu kommen je nach Anwendungsbereich weitere Normen, etwa für den Bahnbereich oder für explosionsgefährdete Umgebungen.
Die wichtigsten Normen im Überblick:
- DIN EN 60529: Definiert die IP-Schutzklassen und legt fest, wie Gehäuse gegen Fremdkörper und Wasser geprüft werden.
- DIN EN IEC 62262 (IK-Code): Bewertet den mechanischen Schutz gegen Stoßeinwirkung. Für Außeninstallationen mit Vandalismusgefahr oder im öffentlichen Raum ist IK08 oder IK10 empfehlenswert.
- DIN EN 61439 (Niederspannungs-Schaltgerätekombinationen): Gilt für den vollständig ausgebauten Schaltschrank und regelt die Anforderungen an die elektrische Sicherheit des Gesamtsystems.
- Bahnzulassungen (z. B. EN 50155, EN 45545): Für Schaltschränke im Schienenfahrzeugbereich gelten spezifische Anforderungen an Brandschutz, Vibration und Klimabeständigkeit.
- ATEX-Richtlinie: Für den Einsatz in explosionsgefährdeten Bereichen ist eine ATEX-Zertifizierung des Gehäuses zwingend erforderlich.
Prüfen Sie vor der Bestellung, welche Normen für Ihre spezifische Anwendung und den Aufstellort verbindlich sind. Im Zweifelsfall sollte der Hersteller nachweisen können, dass sein Gehäuse die geforderten Prüfungen bestanden hat.
Wann lohnt sich ein individueller Sonderschaltschrank statt einer Standardlösung?
Ein individueller Sonderschaltschrank lohnt sich immer dann, wenn Standardgehäuse in Maßen, Materialausführung oder Schutzfunktion nicht exakt passen und Kompromisse zu Mehraufwand bei der Installation, Wartung oder Zulassung führen würden. Bei komplexen Einbausituationen, besonderen Umgebungsbedingungen oder spezifischen Zertifizierungsanforderungen ist eine maßgeschneiderte Lösung häufig wirtschaftlicher als das Anpassen einer Standardlösung.
Konkrete Szenarien, in denen sich ein Sonderschaltschrank rechnet:
- Die verfügbare Wandfläche am Montageort entspricht keinem Standardmaß und ein zu großes Gehäuse würde andere Anlagenteile blockieren.
- Es werden spezifische Ausbrüche, Kabeldurchführungen oder Gewindeschweißbolzen nach Zeichnung benötigt, die werksseitig nicht im Standardprogramm enthalten sind.
- Die Anwendung erfordert eine bestimmte Oberflächenbehandlung, etwa eine kundenspezifische RAL-Farbe oder eine Grundierung für eigene Nachlackierung.
- Besondere Verschlusssysteme, Schwenkrahmen oder Montageoptionen sind erforderlich, die Standardgehäuse nicht bieten.
- Normative Anforderungen, etwa Bahnzulassungen, verlangen eine dokumentierte Sonderausführung.
Der häufig genannte Nachteil von Sonderlösungen sind lange Lieferzeiten. Dieses Argument verliert jedoch an Gewicht, wenn der Hersteller über einen modernen Maschinenpark und schlanke Fertigungsprozesse verfügt. Entscheidend ist, frühzeitig mit dem Hersteller in den technischen Austausch zu gehen, damit Konstruktion und Fertigung parallel laufen können.
Wie Dessauer SG bei der Auswahl des richtigen Wandschaltschranks unterstützt
Wir bei Dessauer SG haben den DessaCompact genau für die Anforderungen entwickelt, die in diesem Artikel beschrieben werden: industrietaugliche Wandschaltschränke für anspruchsvolle Einsatzbedingungen, die sich in Maß, Material und Ausstattung exakt an Ihre Anwendung anpassen lassen.
- Maße nach Bedarf: Höhen von 300 bis 1.200 mm, Breiten von 200 bis 1.200 mm und Tiefen von 120 bis 400 mm, jeweils in 5-mm-Stufen.
- Materialwahl: Stahlblech mit Pulverlackierung in kundenspezifischen RAL-Farben oder Edelstahl, je nach Umgebungsbedingung.
- Individuelle Ausführungen: Ausbrüche, Bohrungen, Gewindeschweißbolzen, Lüftungskiemen, Schwenkrahmen und individuelle Verschlusssysteme nach Zeichnungsvorlage.
- Kurze Lieferzeiten: Während Wettbewerber bei kundenindividuellen Schaltschränken 8 bis 12 Wochen benötigen, liefern wir in der Regel innerhalb von 15 Werktagen.
- Qualitätssicherung: Zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem und weitgehend interne Fertigung für lückenlose Kontrolle über den gesamten Prozess.
Ob Sie einen Wandschaltschrank für den Außenbereich mit IP65-Schutz benötigen, eine Sonderausführung in Edelstahl oder ein Gehäuse mit spezifischen Ausbrüchen nach Zeichnung: Sprechen Sie uns an. Unsere Ansprechpartner beraten Sie technisch fundiert und ohne Umwege, damit Ihr Projekt termingerecht umgesetzt werden kann.
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