In Schaltschränken sind Bohrungen und Ausbrüche in nahezu jeder Form und Größe möglich, solange die strukturelle Integrität des Gehäuses und die erforderliche Schutzklasse erhalten bleiben. Runde Bohrungen, rechteckige Ausbrüche, Kabeldurchführungen, Lüftungsöffnungen und Flanschausschnitte gehören zum Standard im Gehäusebau. Entscheidend für die Machbarkeit sind das Material, die Wandstärke und die geltenden Normen. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen rund um Bearbeitungsverfahren, Geometrien, Normen und Kosten.
Welche Bearbeitungsverfahren werden für Bohrungen und Ausbrüche eingesetzt?
Für Bohrungen und Ausbrüche in Schaltschrankgehäusen kommen je nach Geometrie, Material und Stückzahl unterschiedliche Fertigungsverfahren zum Einsatz. Die gängigsten Verfahren sind Laserschneiden, Stanzen, Bohren und Fräsen. Jedes Verfahren hat spezifische Stärken hinsichtlich Präzision, Geschwindigkeit und Eignung für bestimmte Öffnungsformen.
Laserschneiden
Das Laserschneiden ist heute das vielseitigste Verfahren für Gehäusebearbeitungen. Es ermöglicht präzise Konturen in nahezu jeder Form, arbeitet gratarm und eignet sich sowohl für Einzelstücke als auch für die Serienfertigung. Besonders bei komplexen Geometrien wie unregelmäßigen Ausschnitten oder engen Toleranzen ist das Laserschneiden die erste Wahl.
Stanzen und Nibbelschneiden
Stanzen ist bei größeren Stückzahlen und wiederkehrenden Standardgeometrien wirtschaftlich überlegen. Runde Bohrungen, rechteckige Ausbrüche und genormte Kabeldurchführungsöffnungen lassen sich mit Stanzwerkzeugen schnell und reproduzierbar fertigen. Das Nibbelschneiden bietet eine flexible Zwischenlösung für größere Ausschnitte ohne aufwendige Spezialwerkzeuge.
Bohren und Fräsen
Klassisches Bohren wird vor allem für Gewindebohrungen, Befestigungslöcher und Kabeldurchführungen mit kleineren Durchmessern eingesetzt. Fräsen kommt zum Einsatz, wenn präzise Konturen und saubere Kanten bei dickwandigem Material gefordert sind, etwa bei Edelstahlgehäusen oder Aluminium-Profilen.
Welche Formen und Geometrien sind bei Ausbrüchen möglich?
Bei Ausbrüchen in Schaltschrankgehäusen sind grundsätzlich alle Geometrien möglich, die sich per Zeichnung oder CAD-Datei definieren lassen. Runde, rechteckige, ovale und polygonale Ausschnitte sind ebenso umsetzbar wie Sonderformen für spezifische Einbaukomponenten. Die Geometrie ist primär durch das gewählte Fertigungsverfahren und die Mindestwandstärken begrenzt, nicht durch konstruktive Einschränkungen.
- Runde Bohrungen: Für Kabelverschraubungen, Steckverbinder und Lüftungsöffnungen. Standarddurchmesser nach metrischem oder PG-Gewinde sind direkt verfügbar.
- Rechteckige Ausbrüche: Für Kabelkanäle, Displayeinbau, Schalter und Tasterfelder. Maße frei wählbar nach Zeichnung.
- Lüftungsöffnungen und Kiemen: Gestanzte oder gefräste Schlitzreihen zur Belüftung, die gleichzeitig einen definierten Berührungsschutz sicherstellen.
- Flanschausschnitte: Präzise Konturen für Steckverbinder-Flansche, Kabeleinführungsplatten oder Rohrdurchführungen.
- Kombinierte Ausschnitte: Mehrere Öffnungen in einem Bauteil, auch mit unterschiedlichen Geometrien, die in einem Arbeitsgang gefertigt werden.
Beim DessaCompact Wandschaltschrank werden Ausbrüche, Bohrungen und Lüftungsöffnungen nach Zeichnungsvorlage des Kunden gefertigt, sowohl im Gehäuse als auch in Türen und Flanschplatten.
Welche Normen und Schutzklassen müssen bei Gehäuseöffnungen beachtet werden?
Jede Öffnung in einem Schaltschrankgehäuse beeinflusst die Schutzklasse des Gesamtgehäuses. Maßgeblich ist die Norm IEC 60529, die die Schutzarten durch das IP-System (International Protection) definiert. Wer Ausbrüche oder Bohrungen einbringt, muss sicherstellen, dass das Gehäuse danach noch die geforderte IP-Schutzklasse erfüllt.
Die Schutzklassen IP54 und IP65 sind im Schaltschrankbau besonders verbreitet. IP54 bedeutet Schutz gegen Staubablagerungen und Spritzwasser aus allen Richtungen. IP65 erfordert vollständigen Staubschutz und Schutz gegen Strahlwasser. Jede ungefasste Öffnung, die nicht mit einem geeigneten Dichtungselement oder einer zertifizierten Kabelverschraubung verschlossen wird, kann diese Schutzklasse unterschreiten.
Für Lüftungsöffnungen gelten zusätzliche Anforderungen aus dem Berührungsschutz nach EN 60529: Die Schlitzgeometrie muss so ausgelegt sein, dass kein Finger oder Werkzeug spannungsführende Teile im Inneren erreichen kann. Typische Richtwerte sind maximale Schlitzbreiten von unter 12 mm für den IP2X-Berührungsschutz.
Im Bahnbereich oder bei Anwendungen mit besonderen Umgebungsbedingungen kommen zusätzliche Zulassungen hinzu, etwa nach EN 45545 für Brandschutz oder nach spezifischen Kundenanforderungen. Diese Anforderungen müssen bereits bei der Konstruktion der Ausbrüche berücksichtigt werden.
Wie unterscheiden sich Bohrungen und Ausbrüche bei verschiedenen Materialien?
Das Gehäusematerial hat einen direkten Einfluss auf die Bearbeitbarkeit, die erreichbaren Toleranzen und die Qualität der Schnittflächen. Stahlblech, Edelstahl und Aluminium verhalten sich beim Bohren und Schneiden unterschiedlich und erfordern angepasste Werkzeuge und Parameter.
Stahlblech
Stahlblech ist das am häufigsten eingesetzte Material im Schaltschrankbau. Es lässt sich gut stanzen, laserschneiden und bohren. Die Schnittkanten sind bei korrekter Bearbeitung gratarm und lassen sich problemlos nachbehandeln, etwa durch Pulverbeschichtung in RAL 7035 oder anderen Farben. Bei pulverbeschichteten Gehäusen müssen Ausbrüche vor der Beschichtung eingebracht werden, um den Korrosionsschutz an den Schnittkanten zu gewährleisten.
Edelstahl
Edelstahlgehäuse erfordern schärfere Werkzeuge und geringere Vorschubgeschwindigkeiten, da das Material härter und zäher ist als normales Stahlblech. Laserschneiden liefert hier besonders saubere Ergebnisse. Wichtig: Edelstahl darf nicht mit eisenhaltigen Werkzeugen oder Schleifmitteln in Kontakt kommen, da sonst Fremdrost entstehen kann. Für Anwendungen in der Lebensmittel- oder Medizintechnik sind diese Anforderungen besonders relevant.
Aluminium
Aluminium ist leichter zu bearbeiten als Stahl und eignet sich gut für präzise Fräsarbeiten. Es neigt jedoch bei unsachgemäßer Bearbeitung zu Aufschmelzungen an den Schnittkanten. Für Schaltschrankgehäuse aus Aluminium werden Ausbrüche häufig gefräst oder wasserstrahlgeschnitten, um saubere Kanten ohne Wärmeeinflusszone zu erzielen.
Wann sind nachträgliche Bohrungen oder Ausbrüche im Feld sinnvoll?
Nachträgliche Bohrungen oder Ausbrüche im Feld sind sinnvoll, wenn sich Anforderungen nach der Auslieferung des Gehäuses ändern oder wenn kleinere Anpassungen vor Ort schneller umzusetzen sind als eine Neubestellung. Für einfache Kabeldurchführungen oder zusätzliche Befestigungspunkte ist eine Feldbearbeitung oft praktikabel.
Allerdings sind die Grenzen klar: Feldbearbeitungen mit handgeführten Werkzeugen erreichen selten die Präzision einer werkzeuggebundenen Fertigung. Schnittkanten bleiben oft unbehandelt und können bei beschichteten Stahlgehäusen zu Korrosion führen. Besonders kritisch ist die Auswirkung auf die Schutzklasse: Wer im Feld einen Ausbruch einbringt, ohne diesen mit einem geeigneten Dichtungselement zu verschließen, verliert unter Umständen die Zertifizierung des Gehäuses.
Für alle Anwendungen, bei denen die Schutzklasse, die Optik oder die strukturelle Integrität des Gehäuses relevant sind, empfiehlt sich die werkseitige Bearbeitung vor der Auslieferung. Das gilt insbesondere für Edelstahlgehäuse, bei denen Feldbearbeitungen das Material beschädigen können, sowie für Gehäuse mit Pulverbeschichtung, bei denen nachträgliche Eingriffe den Korrosionsschutz unterbrechen.
Informationen zur Bearbeitung und zu den Möglichkeiten der Schweißtechnik im Gehäusebau helfen dabei, die richtige Entscheidung zwischen Feldmodifikation und werkseitiger Fertigung zu treffen.
Was kostet die individuelle Bearbeitung von Schaltschrankgehäusen?
Die Kosten für individuelle Bohrungen und Ausbrüche in Schaltschrankgehäusen hängen von der Anzahl der Öffnungen, der Komplexität der Geometrien, dem Material und der Stückzahl ab. Pauschale Preise lassen sich ohne konkrete Zeichnungsangaben nicht nennen, da jede Bearbeitung auf Basis der Kundenspezifikation kalkuliert wird.
Folgende Faktoren beeinflussen den Preis direkt:
- Anzahl und Art der Öffnungen: Eine einzelne runde Bohrung ist deutlich günstiger als zehn kombinierte Ausschnitte mit verschiedenen Geometrien.
- Material: Edelstahl ist aufwendiger zu bearbeiten als Stahlblech und schlägt sich entsprechend im Preis nieder.
- Stückzahl: Bei Serienfertigung amortisieren sich Rüstkosten und Werkzeugkosten auf mehr Teile, was den Stückpreis senkt.
- Nachbehandlung: Müssen Schnittkanten entgratet, beschichtet oder mit Dichtungselementen versehen werden, entstehen zusätzliche Kosten.
- Lieferzeit: Eilaufträge oder besonders kurze Lieferzeiten können Aufpreise nach sich ziehen, sofern der Hersteller keine entsprechenden Kapazitäten vorhält.
Als Richtwert gilt: Einfache Standardbohrungen in Stahlblech sind kostengünstig und schnell umsetzbar. Komplexe Ausbrüche in Edelstahl mit engen Toleranzen und Dichtungselementen liegen in einer anderen Preiskategorie. Eine transparente Kalkulation auf Basis einer Zeichnung oder eines CAD-Modells ist der sicherste Weg, um vergleichbare Angebote zu erhalten.
So unterstützt Dessauer SG bei Bohrungen und Ausbrüchen in Schaltschrankgehäusen
Wir bei Dessauer SG fertigen Bohrungen, Ausbrüche und Lüftungsöffnungen in Schaltschrankgehäusen nach Ihrer Zeichnungsvorlage, in Stahlblech oder Edelstahl, in Einzel- oder Serienfertigung. Mit unserem DessaCompact-Variantensystem erhalten Sie maßgenaue Wandschaltschränke, die bereits werkseitig mit allen erforderlichen Öffnungen ausgeliefert werden, ohne Kompromisse bei Schutzklasse oder Oberflächenqualität.
Was wir für Sie umsetzen:
- Runde Bohrungen, rechteckige Ausbrüche und Sondergeometrien nach Zeichnung oder CAD-Datei
- Lüftungsöffnungen und Kiemen unter Einhaltung der geforderten IP-Schutzklasse
- Flanschausschnitte und Kabeldurchführungen in Stahlblech und Edelstahl
- Werkseitige Pulverbeschichtung in RAL 7035 oder Wunschfarbe nach Bearbeitung
- Lieferung in 15 Werktagen, gegenüber branchenüblichen 8 bis 12 Wochen beim Wettbewerb
Sprechen Sie uns direkt an: Unsere Ansprechpartner beraten Sie technisch und erstellen Ihnen auf Basis Ihrer Unterlagen ein konkretes Angebot.
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