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Wie findet man den passenden Wandschaltschrank für die Anlage?

Geöffneter Stahlschrank zur Wandmontage mit Montageschienen auf Betonboden einer Industriewerkstatt.

Den passenden Wandschaltschrank für eine Anlage findet man, indem man systematisch die technischen Anforderungen prüft: Schutzart, Material, Abmessungen, Zertifizierungen und die Frage, ob ein Standardgehäuse ausreicht oder eine Sonderlösung notwendig ist. Die Auswahl hängt unmittelbar von den Einsatzbedingungen ab, also von Umgebungstemperatur, Verschmutzungsgrad, verfügbarem Einbauraum und den geltenden Normen für die jeweilige Branche. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten Fragen, die Sie vor der Bestellung klären sollten.

Welche technischen Anforderungen bestimmen die Auswahl?

Die Auswahl eines Wandschaltschranks wird durch vier Kernfaktoren bestimmt: die Umgebungsbedingungen am Einbauort, die benötigte Schutzart (IP-Klasse), das geeignete Gehäusematerial sowie die erforderlichen Innenabmessungen für die geplante Bestückung. Wer diese vier Parameter kennt, kann gezielt vergleichen, anstatt sich durch Kataloge zu arbeiten.

Beginnen Sie mit einer strukturierten Anforderungsanalyse, bevor Sie Angebote einholen. Relevante Fragen sind:

  • Wo wird der Schrank montiert, in einer Produktionshalle, im Freien oder in einem Reinraum?
  • Welche elektrischen und elektronischen Komponenten sollen eingebaut werden, und wie viel Wärme erzeugen diese?
  • Gibt es mechanische Belastungen wie Vibrationen oder Stöße?
  • Welche Normen und Zertifizierungen schreibt der Anwendungsfall vor?
  • Ist der verfügbare Wandbereich begrenzt, oder gibt es Vorgaben zur Gehäusefarbe?

Erst wenn diese Fragen beantwortet sind, lässt sich beurteilen, ob ein Seriengehäuse ausreicht oder ob Sondermaße und Sonderausstattungen notwendig werden. Gerade im Maschinenbau zeigt die Praxis, dass vermeintlich kleine Abweichungen von Standardmaßen schnell zu langen Wartezeiten beim falschen Lieferanten führen.

Welche Schutzart (IP-Klasse) braucht ein Wandschaltschrank?

Welche IP-Klasse ein Wandschaltschrank benötigt, richtet sich nach dem Einsatzort und der dort zu erwartenden Belastung durch Fremdkörper, Staub und Feuchtigkeit. In trockenen Schaltanlagen in Gebäuden genügt oft IP54, während Außenanlagen oder Bereiche mit Wasserstrahl IP65 oder höher erfordern.

Wandschaltschrank IP54 vs. IP65: Der entscheidende Unterschied

Die IP-Schutzart setzt sich aus zwei Ziffern zusammen. Die erste Ziffer beschreibt den Schutz gegen Fremdkörper und Berührung, die zweite den Schutz gegen Wasser. IP54 bedeutet: Schutz gegen Staubablagerungen (nicht vollständig staubdicht) und gegen allseitiges Spritzwasser. IP65 bedeutet: vollständiger Staubschutz und Schutz gegen Strahlwasser aus beliebiger Richtung.

Für die Praxis bedeutet das: Ein Wandschaltschrank mit IP54 eignet sich für Innenanlagen, in denen kein direkter Wasserstrahl auftrifft, zum Beispiel in Produktionshallen mit normaler Luftfeuchtigkeit. Ein Wandschaltschrank mit IP65 ist die richtige Wahl, wenn der Schrank Reinigungsprozessen mit Wasserstrahl ausgesetzt ist, etwa in der Lebensmittelindustrie oder in Außenanlagen.

Typische IP-Klassen nach Einsatzbereich

  • IP54: Trockene Produktionshallen, Schaltanlagen in Gebäuden, allgemeine Industrieumgebungen
  • IP65: Außenbereiche, Anlagen mit Strahlwasserbelastung, Lebensmittelverarbeitung
  • IP66 / IP67: Starke Strahlwasserbelastung, zeitweiliges Eintauchen
  • IP69K: Hochdruckreinigung, Hygieneanwendungen in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie

Wichtig: Eine höhere IP-Klasse bedeutet in der Regel auch höhere Anforderungen an die Dichtungssysteme und die Gehäusegeometrie. Das wirkt sich auf Materialwahl und Fertigungsaufwand aus.

Welches Material eignet sich für welche Einsatzbedingungen?

Für Wandschaltschränke kommen in der Industrie vor allem zwei Materialien zum Einsatz: Stahlblech (pulverbeschichtet) und Edelstahl. Stahlblech ist die wirtschaftlichere Wahl für Standardanwendungen in trockenen oder leicht feuchten Umgebungen, während Edelstahl überall dort sinnvoll ist, wo Korrosionsbeständigkeit, Hygiene oder aggressive Medien eine Rolle spielen.

Wandschaltschrank aus Stahlblech pulverbeschichtet

Stahlblechgehäuse mit Pulverlackierung in RAL 7035 sind der Industriestandard für den Maschinenbau. Die Pulverbeschichtung bietet guten Korrosionsschutz, ist mechanisch belastbar und lässt sich in nahezu jeder RAL-Farbe ausführen. Für Anwendungen, bei denen der Schrank nach der Lieferung noch einmal nachlackiert werden soll, empfiehlt sich eine Ausführung mit Grundierung statt Decklack.

Wandschaltschrank aus Edelstahl

Edelstahlgehäuse sind teurer in der Herstellung, bieten aber deutlich höhere Beständigkeit gegen Feuchtigkeit, Reinigungsmittel und aggressive Atmosphären. Sie sind die erste Wahl in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie, in Außenanlagen mit hoher Salzbelastung sowie in der Umwelttechnik. Der Vorteil gegenüber beschichtetem Stahl liegt darin, dass keine Beschichtung abplatzen oder korrodieren kann.

Für die meisten Anwendungen im allgemeinen Maschinenbau und in der Elektrotechnik ist Stahlblech mit Pulverbeschichtung die richtige Entscheidung. Edelstahl sollte immer dann gewählt werden, wenn die Umgebungsbedingungen es zwingend erfordern, da die Mehrkosten sonst nicht gerechtfertigt sind.

Wie werden Maße und Einbauvolumen richtig berechnet?

Die Innenabmessungen eines Wandschaltschranks müssen so gewählt werden, dass alle einzubauenden Komponenten inklusive Verdrahtung, Kühlung und Montageplatten Platz finden, und dabei noch ausreichend Freiraum für Wartungsarbeiten verbleibt. Als Faustregel gilt: Das tatsächlich benötigte Einbauvolumen sollte nicht mehr als 60 bis 70 Prozent des verfügbaren Innenraums ausfüllen.

Gehen Sie bei der Maßberechnung schrittweise vor:

  1. Stückliste aller einzubauenden Komponenten erstellen (Schütze, Klemmen, Netzteile, SPS, Sicherungen usw.)
  2. Platzbedarf jeder Komponente aus dem Datenblatt entnehmen, inklusive Mindestabstände für Wärmeableitung
  3. Montageplatte oder Hutschienen einplanen und deren Abmessungen berücksichtigen
  4. Kabeleinführungen und Kabelführungskanäle einkalkulieren
  5. Puffer von mindestens 20 bis 30 Prozent für spätere Erweiterungen vorsehen

Die Tiefe des Schranks wird oft unterschätzt. Besonders Leistungsschalter, Frequenzumrichter und große Klemmenblöcke benötigen mehr Einbautiefe, als auf den ersten Blick ersichtlich. Wenn der Schrank einen Schwenkrahmen erhalten soll, muss die Tiefe entsprechend größer dimensioniert werden, da der Rahmen selbst Platz beansprucht und beim Öffnen Bewegungsraum benötigt.

Für Anlagen mit variablen Einbausituationen sind Gehäusesysteme mit feingranularen Maßabstufungen besonders vorteilhaft. Statt auf Standardmaße ausweichen zu müssen, lassen sich Höhe, Breite und Tiefe in kleinen Schritten an die tatsächlichen Anforderungen anpassen.

Wann ist eine Sonderlösung sinnvoller als ein Standardschrank?

Eine Sonderlösung ist sinnvoller als ein Standardschrank, wenn die Einsatzbedingungen, Abmessungen oder Ausstattungsmerkmale außerhalb des Serienspektrums liegen und eine Kompromisslösung die Funktion, Sicherheit oder Zertifizierbarkeit der Anlage beeinträchtigen würde. In der Praxis betrifft das häufiger Projekte, als viele Einkäufer zunächst annehmen.

Typische Situationen, in denen eine Sonderlösung die bessere Wahl ist:

  • Der verfügbare Wandbereich lässt Standardmaße nicht zu, zum Beispiel in beengten Maschinengehäusen oder bei Nachrüstprojekten
  • Die Anlage erfordert spezifische Ausbrüche, Bohrungen oder Lüftungskiemen in definierten Positionen
  • Es werden Sonderverschlüsse, spezielle Betätigungen oder Scharniertypen benötigt
  • Die Gehäusefarbe muss einer Unternehmens-CI entsprechen oder eine spezifische RAL-Farbe abweichend von RAL 7035 ist vorgeschrieben
  • Branchenspezifische Zertifizierungen, etwa Bahnzulassungen, erfordern konstruktive Besonderheiten

Das verbreitete Gegenargument lautet, Sonderlösungen seien mit langen Lieferzeiten verbunden. Das stimmt bei vielen Herstellern, muss aber nicht grundsätzlich so sein. Entscheidend ist, ob der Hersteller über einen modernen Maschinenpark und eine weitgehend interne Fertigung verfügt, die kurze Durchlaufzeiten auch bei individuellen Aufträgen ermöglicht.

Welche Zertifizierungen und Normen sind bei Wandschaltschränken relevant?

Für Wandschaltschränke sind vor allem die IEC/EN 62208 (Anforderungen an leere Gehäuse für Betriebsmittel der Niederspannungs-Schalttechnik) sowie die Schutzartprüfungen nach IEC/EN 60529 maßgeblich. Je nach Branche und Einsatzgebiet kommen weitere Normen und Zulassungen hinzu.

Die wichtigsten Normen und Zertifizierungen im Überblick:

  • IEC/EN 62208: Grundnorm für leere Gehäuse in der Niederspannungs-Schalttechnik, definiert mechanische und elektrische Anforderungen
  • IEC/EN 60529: Klassifizierung der Schutzarten (IP-Code), Grundlage für alle IP-Angaben
  • CE-Kennzeichnung: Pflicht für den europäischen Markt, bestätigt die Konformität mit EU-Richtlinien
  • UL-Zertifizierung: Erforderlich für Anlagen, die in den nordamerikanischen Markt geliefert werden
  • Bahnanwendungen (EN 45545, DIN EN 61373): Brandschutz und Schwingfestigkeit für den Schienenverkehr
  • ATEX-Richtlinie: Für explosionsgefährdete Bereiche, zum Beispiel in der Chemie- oder Ölindustrie

Im Maschinenbau und in der Elektrotechnik sind CE-Kennzeichnung und die Einhaltung der IEC/EN 62208 in der Regel das Minimum. Für Exportprojekte in den nordamerikanischen Raum sollten Sie frühzeitig klären, ob eine UL-Zertifizierung des Gehäuses notwendig ist, da dies die Auswahl des Herstellers einschränkt. Bahnprojekte erfordern zusätzlich den Nachweis der Brandschutzklasse nach EN 45545, was konstruktive Anforderungen an Materialien und Oberflächenbehandlung stellt.

Sprechen Sie Zertifizierungsanforderungen immer vor der Konstruktionsfreigabe mit Ihrem Gehäusehersteller ab. Nachträgliche Änderungen an bereits gefertigten Gehäusen sind aufwendig und kostspielig.

Wie Dessauer SG Sie bei der Auswahl des richtigen Wandschaltschranks unterstützt

Wir bei Dessauer SG haben mit dem DessaCompact ein Wandschaltschrank-Variantensystem entwickelt, das die häufigsten Engpässe bei der Gehäuseauswahl gezielt adressiert. Das System kombiniert die Flexibilität einer Sonderlösung mit den Lieferzeiten, die Sie von einem Serienprodukt erwarten würden.

Was uns konkret unterscheidet:

  • Maße in 5-mm-Stufen: Höhen von 300 bis 1.200 mm, Breiten von 200 bis 1.200 mm, Tiefen von 120 bis 400 mm, jeweils in 5-mm-Schritten für passgenaue Integration
  • Material nach Bedarf: Stahlblech pulverbeschichtet in RAL 7035 oder kundenspezifischen Farben, wahlweise mit Grundierung für Nachlackierung, oder Edelstahl
  • Individuelle Ausstattung: Ausbrüche, Bohrungen, Lüftungskiemen, Gewindeschweißbolzen, Schwenkrahmen und Sonderverschlüsse nach Zeichnungsvorlage
  • Zertifizierte Qualität: Gefertigte Gehäuse aus einem Haus mit zertifiziertem Qualitätsmanagementsystem und weitgehend interner Fertigung
  • Lieferzeit 15 Tage: Für kundenindividuelle Wandschaltschränke, während Mitbewerber typischerweise 8 bis 12 Wochen benötigen

Ob Sie einen Wandschaltschrank mit spezifischen Sondermaßen benötigen, eine bestimmte IP-Klasse realisieren müssen oder branchenspezifische Zertifizierungen eine Rolle spielen: Sprechen Sie uns an. Unsere Ansprechpartner beraten Sie technisch und helfen Ihnen, die richtige Lösung für Ihre Anlage zu definieren, ohne unnötige Kompromisse und ohne lange Wartezeiten. Erfahren Sie mehr über unser Leistungsspektrum und nehmen Sie direkt Kontakt auf.

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