Wandschaltschränke für Retrofit-Projekte unterscheiden sich vor allem in ihren Maßen, Schutzarten, Materialien und der Anpassbarkeit an bestehende Einbausituationen. Im Gegensatz zu Neuinstallationen sind die räumlichen und elektrischen Rahmenbedingungen beim Retrofit bereits vorgegeben, was flexible Gehäuselösungen mit präzisen Abmessungen und spezifischen Zertifizierungen erfordert. Die folgenden Abschnitte beantworten die wichtigsten technischen Fragen, die bei der Planung eines Schaltschrankumbaus entstehen.
Welche technischen Anforderungen stellen Retrofit-Projekte an Wandschaltschränke?
Retrofit-Projekte stellen besonders hohe Anforderungen an Wandschaltschränke, weil der verfügbare Einbauraum, die vorhandene Verkabelung und die bestehenden Montagepunkte den Handlungsspielraum von Anfang an einschränken. Der Schaltschrank muss sich in eine gewachsene Anlage einfügen, nicht umgekehrt.
Konkret bedeutet das: Die Außenmaße des neuen Gehäuses müssen oft millimetergenau auf den vorhandenen Wandausschnitt, die Tragschienen oder die Kabeltrassen abgestimmt sein. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Wärmeableitung, weil modernere Steuerungskomponenten häufig mehr Verlustleistung erzeugen als die ursprünglichen Geräte. Lüftungsöffnungen, Kabeleinführungen und Montagemöglichkeiten für Hutschienen müssen daher bereits in der Planungsphase berücksichtigt werden.
Hinzu kommt die elektrische Kompatibilität: Beim Schaltschrank-Retrofit-Projekt sind häufig bestehende Potentialausgleichskonzepte, Erdungskonzepte und Busleitungen zu integrieren. Ein Gehäuse, das diese Anforderungen nicht abbilden kann, erzeugt Mehraufwand in der Montage und gefährdet im schlimmsten Fall die Betriebssicherheit der gesamten Anlage.
Wie unterscheiden sich Standardgehäuse und Sonderlösungen beim Retrofit?
Standardgehäuse sind in festen Maßrastern erhältlich und lassen sich schnell beschaffen, stoßen beim Retrofit jedoch häufig an ihre Grenzen, wenn die vorhandene Einbausituation von üblichen Abmessungen abweicht. Sonderlösungen werden dagegen exakt nach den Vorgaben der jeweiligen Anlage gefertigt und ermöglichen eine passgenaue Integration ohne Kompromisse.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Flexibilität der Geometrie. Standardgehäuse kommen in Höhen- und Breitenabstufungen von meist 50 bis 100 mm, was im Retrofit-Kontext oft zu viel ungenutztem Raum oder zu wenig Platz führt. Sonderlösungen wie der DessaCompact werden in 5-mm-Stufen gefertigt, von 300 bis 1.200 mm Höhe, 200 bis 1.200 mm Breite und 120 bis 400 mm Tiefe. Das erlaubt eine Integration in nahezu jede bestehende Anlagenstruktur.
Darüber hinaus können bei Sonderlösungen Ausbrüche, Bohrungen, Kabeleinführungen und Gewindeschweißbolzen bereits werkseitig nach Zeichnungsvorlage eingebracht werden. Das reduziert den Aufwand auf der Baustelle erheblich und minimiert Fehlerquellen bei der Montage. Für Retrofit-Projekte mit engen Zeitfenstern ist das ein wesentlicher Vorteil gegenüber der nachträglichen Bearbeitung von Seriengehäusen.
Welche Schutzarten und Zertifizierungen sind bei Retrofit-Schaltschränken relevant?
Die relevante Schutzart bei Retrofit-Schaltschränken richtet sich nach der Umgebungsbedingung des jeweiligen Aufstellorts und muss mindestens dem Standard der ursprünglichen Installation entsprechen. Häufig kommen IP54 und IP65 zum Einsatz, in besonders anspruchsvollen Umgebungen auch IP66 oder höher.
Neben der IP-Schutzart spielen bei bestimmten Branchen spezifische Zertifizierungen eine Rolle. Im Bahnbereich sind zum Beispiel Zulassungen nach EN 50155 oder spezifische Anforderungen an Vibrationsfestigkeit und Temperaturbereiche relevant. In der Medizintechnik gelten eigene Normen für elektrische Sicherheit und Materialverträglichkeit. Wer einen Schaltschrankumbau in regulierten Branchen plant, muss diese Zertifizierungen bereits bei der Gehäuseauswahl berücksichtigen, nicht erst bei der Abnahme.
Ein häufig unterschätzter Aspekt ist die Dichtheit der Kabeldurchführungen. Nachträglich gebohrte Öffnungen in Seriengehäusen können die ursprüngliche Schutzart gefährden, wenn die Verschraubungen nicht normgerecht ausgeführt werden. Werksseitig gefertigte Ausbrüche mit definierten Dichtkanten sind hier die zuverlässigere Lösung.
Wie wirkt sich die Materialwahl auf die Eignung für Retrofit-Umgebungen aus?
Die Materialwahl bestimmt, wie gut ein Wandschaltschrank den spezifischen Umgebungsbelastungen eines Retrofit-Standorts standhält. Stahlblech mit Pulverbeschichtung ist die wirtschaftliche Standardlösung für Innenanwendungen, während Edelstahl bei korrosiver Atmosphäre, Reinraumumgebungen oder im Lebensmittelbereich die richtige Wahl ist.
Stahlblech bietet eine hohe Steifigkeit bei geringem Gewicht und lässt sich gut schweißen und beschichten. Pulverlackierte Oberflächen schützen zuverlässig gegen mechanische Einwirkungen und leichte chemische Belastungen. Für Retrofit-Projekte, bei denen die Farbe des Gehäuses an bestehende Anlagenfarben angepasst werden soll, ist die Möglichkeit zur Lackierung in kundenspezifischen RAL-Farben oder mit Grundierung für eigene Nachlackierung besonders praktisch.
Edelstahl hingegen ist korrosionsbeständig, leicht zu reinigen und langlebig unter aggressiven Bedingungen. Er ist schwerer und teurer, aber in Umgebungen mit Feuchtigkeit, Desinfektionsmitteln oder Außenluft die dauerhaft zuverlässigere Wahl. Die Entscheidung zwischen beiden Materialien sollte auf Basis einer konkreten Analyse der Betriebsumgebung getroffen werden, nicht nach Standardvorgaben.
Was sollte man bei der Planung von Maßen und Kabelführung beachten?
Bei der Maß- und Kabelführungsplanung für Wandschaltschränke im Retrofit gilt der Grundsatz: zuerst die Bestandsaufnahme, dann die Dimensionierung. Wer den vorhandenen Raum, die Kabeltrassen und die Montagepunkte nicht präzise aufnimmt, riskiert teure Nacharbeiten oder eine fehlerhafte Montage.
Konkret sollten Sie folgende Punkte vor der Gehäuseauswahl klären:
- Verfügbarer Wandbereich: Höhe, Breite und Tiefe des nutzbaren Einbaubereichs, inklusive Mindestabstände zu anderen Komponenten und Wartungszugängen
- Kabeleinführungsrichtung: Ob Leitungen von oben, unten, seitlich oder von hinten eingeführt werden, bestimmt die Position und Anzahl der Ausbrüche
- Querschnitte und Leitungsmengen: Die Summe aller Kabelquerschnitte bestimmt den Mindestdurchmesser der Einführungsöffnungen und den Platzbedarf für Kabelkanäle im Inneren
- Wärmeentwicklung: Die Verlustleistung der einzubauenden Komponenten entscheidet, ob Lüftungsöffnungen oder aktive Kühlung erforderlich sind
- Zugänglichkeit im Betrieb: Türöffnungswinkel und Bedienbarkeit von Schaltern, Displays oder Klemmen müssen auch im eingebauten Zustand gewährleistet sein
Die interne Fertigung ermöglicht es, all diese Parameter bereits in der Konstruktionsphase zu berücksichtigen und Ausbrüche sowie Bohrungen werksseitig nach Zeichnung einzubringen, was den Montageaufwand vor Ort deutlich reduziert.
Wann lohnt sich ein maßgeschneiderter Wandschaltschrank gegenüber einem Serienprodukt?
Ein maßgeschneiderter Wandschaltschrank lohnt sich immer dann, wenn Serienmaße nicht passen, spezifische Zertifizierungen erforderlich sind oder der Montageaufwand durch werksseitige Anpassungen deutlich reduziert werden kann. Bei Retrofit-Projekten ist das häufiger der Fall als bei Neuinstallationen.
Die wirtschaftliche Abwägung ist einfacher als oft angenommen: Ein Seriengehäuse, das nachträglich gebohrt, angepasst und beschichtet werden muss, verursacht Kosten und Risiken, die sich schnell summieren. Wenn die Anpassungskosten vor Ort den Mehrpreis einer Sonderlösung übersteigen, ist die maßgefertigte Variante die wirtschaftlichere Wahl. Das gilt besonders bei Serienprojekten, bei denen identische Gehäuse mehrfach verbaut werden.
Darüber hinaus spielt die Lieferzeit eine wichtige Rolle. Retrofit-Projekte laufen oft unter Zeitdruck, weil Anlagen nur kurz stillstehen dürfen. Ein maßgeschneiderter Wandschaltschrank, der innerhalb von 15 Tagen geliefert wird, kann hier den Unterschied machen, verglichen mit den branchenüblichen 8 bis 12 Wochen bei vielen Wettbewerbern. Die Qualitätssicherung über den gesamten Fertigungsprozess ist dabei ein weiterer Faktor, der für die interne Fertigung mit zertifiziertem Qualitätsmanagement spricht.
Wie Dessauer SG Sie bei Wandschaltschränken für Retrofit-Projekte unterstützt
Wir bei Dessauer SG haben uns auf genau diese Anforderungen spezialisiert: maßgefertigte Wandschaltschränke, die sich präzise in bestehende Anlagen einfügen, ohne Kompromisse bei Schutzart, Material oder Zertifizierung. Mit unserem DessaCompact-Variantensystem und der vollständig internen Fertigung bieten wir Ihnen folgende Leistungen aus einer Hand:
- Maßgenaue Fertigung in 5-mm-Stufen von 300 bis 1.200 mm Höhe, 200 bis 1.200 mm Breite und 120 bis 400 mm Tiefe, abgestimmt auf Ihre Einbausituation
- Werksseitige Ausbrüche, Bohrungen und Kabeleinführungen nach Ihrer Zeichnungsvorlage, für minimalen Montageaufwand vor Ort
- Ausführung in Stahlblech oder Edelstahl, pulverlackiert in kundenspezifischen RAL-Farben oder mit Grundierung für Nachlackierung
- Schutzarten bis IP66 und branchenspezifische Anforderungen, zum Beispiel für Bahn- oder Medizintechnik
- Lieferzeit von 15 Tagen für kundenindividuelle Lösungen, gegenüber 8 bis 12 Wochen bei vielen Wettbewerbern
- Zertifiziertes Qualitätsmanagementsystem für gleichbleibend hohe Fertigungsstandards über den gesamten Prozess
Ob Sie ein einzelnes Retrofit-Gehäuse oder eine Serienlösung für mehrere Standorte benötigen: Unsere Ansprechpartner stehen Ihnen für eine technische Beratung zur Verfügung. Nehmen Sie Kontakt auf und schildern Sie uns Ihre Einbausituation, wir entwickeln gemeinsam mit Ihnen die passende Lösung.
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