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Was sind Flanschplatten und wozu dienen sie im Schaltschrank?

Präzisionsgeschnittene Stahlflanschwplatte auf dem Sockel eines leeren Industrieschaltschranks mit gestanzten Montagelöchern.

Flanschplatten sind Metallplatten, die in die Öffnungen von Schaltschrankgehäusen eingesetzt werden, um Kabel, Leitungen oder Rohre geordnet und schutzkonform in das Gehäuseinnere einzuführen. Sie dienen gleichzeitig als mechanische Befestigung und als Abdichtungselement, das die Schutzart des Schaltschranks erhält. Die folgenden Abschnitte beleuchten die wichtigsten Fragen rund um Typen, Schutzklassen, Montage und individuelle Fertigung.

Wie unterscheiden sich Flanschplatten von anderen Kabeleinführungssystemen?

Flanschplatten unterscheiden sich von anderen Kabeleinführungssystemen vor allem durch ihre Flexibilität und ihre Funktion als tragende Montagefläche. Während Kabelverschraubungen einzelne Leitungen punktuell abdichten und Kabelkanäle Leitungen gebündelt führen, bietet eine Flanschplatte eine vollflächige, anpassbare Lösung für mehrere Einführungen gleichzeitig.

Konkret bedeutet das: Eine Flanschplatte wird passgenau in eine Gehäuseöffnung eingesetzt und kann mit einer Vielzahl von Kabeldurchführungselementen bestückt werden, zum Beispiel mit Einzeladerdurchführungen, Bürstendurchführungen oder Mehrfachkabelverschraubungen. Dadurch lassen sich unterschiedliche Leitungstypen und Querschnitte in einer einzigen Öffnung organisieren, ohne dass das Gehäuse selbst mehrfach bearbeitet werden muss.

Im Vergleich zu einfachen Lochplatten bieten Flanschplatten durch ihre abgekanteten Ränder eine formschlüssige Verbindung mit dem Gehäuse, was die mechanische Stabilität erhöht und die Grundlage für eine zuverlässige Abdichtung schafft. Einzelne Kabelverschraubungen hingegen sind zwar einfacher zu montieren, stoßen aber schnell an ihre Grenzen, wenn viele Leitungen gleichzeitig geführt werden müssen oder wenn die Belegung im Betrieb häufig wechselt.

Welche Typen von Flanschplatten gibt es?

Flanschplatten lassen sich nach Material, Geometrie und Ausführung unterscheiden. Die gängigsten Varianten sind Stahlblech-Flanschplatten, Edelstahl-Flanschplatten und Aluminium-Flanschplatten, ergänzt durch Sonderausführungen mit werksseitig eingebrachten Ausbrüchen, Bohrungen oder Gewindeschweißbolzen.

Im industriellen Schaltschrankbau dominieren Stahlblech-Flanschplatten, da sie kostengünstig, gut bearbeitbar und in nahezu jeder Abmessung verfügbar sind. Für korrosionsbeanspruchte Umgebungen, etwa in der Lebensmittel- oder Medizintechnik, kommen Edelstahlplatten zum Einsatz, die ohne zusätzliche Oberflächenbeschichtung auskommen. Aluminium wird dort bevorzugt, wo das Gewicht eine Rolle spielt.

Blanke und beschichtete Ausführungen

Flanschplatten aus Stahlblech werden häufig pulverbeschichtet geliefert, um Korrosionsschutz zu bieten und optisch an das Gehäuse angepasst zu sein. Für Anwendungen, bei denen eine elektrisch leitende Verbindung zwischen Platte und Gehäuse gefordert ist, werden blanke, unbehandelte Oberflächen bevorzugt, da Pulverlack eine isolierende Schicht bildet.

Vorgefertigte und kundenspezifische Ausführungen

Standardisierte Flanschplatten kommen ohne Ausbrüche und werden vor Ort gebohrt oder gestanzt. Kundenspezifische Platten werden hingegen nach Zeichnung gefertigt und liefern die benötigten Öffnungen, Gewinde und Bohrungen bereits fertig mit. Diese Variante reduziert den Montageaufwand erheblich und minimiert Fehlerquellen auf der Baustelle oder in der Produktion.

Welche Schutzarten erreichen Flanschplatten im Schaltschrank?

Welche Schutzart eine Flanschplatte im Schaltschrank ermöglicht, hängt entscheidend von der Kombination aus Plattenmaterial, Dichtung und den eingesetzten Kabeldurchführungselementen ab. Mit geeigneter Dichtung und zertifizierten Kabelverschraubungen lassen sich Schutzarten bis IP66 oder IP67 erreichen.

Die Schutzart IP54 ist im Maschinenbau weit verbreitet und schützt vor Staubeintrag sowie Spritzwasser aus allen Richtungen. IP65 und IP66 gehen weiter und verlangen eine vollständige Staubdichtheit sowie Schutz gegen Strahlwasser beziehungsweise starkes Strahlwasser. Für Unterwasseranwendungen oder temporäres Eintauchen ist IP67 oder IP68 erforderlich.

Damit eine Flanschplatte die gewünschte Schutzart des Gehäuses nicht kompromittiert, muss sie umlaufend dicht mit dem Gehäuse verbunden sein. Das geschieht entweder über eine eingelegte Flachdichtung, eine aufgespritzte Schaumstoffdichtung oder durch eine abgekantete Dichtkante, die formschlüssig in das Gehäuse eingreift. Entscheidend ist außerdem, dass alle eingesetzten Kabeldurchführungselemente für die angestrebte Schutzart zugelassen sind, da eine einzige ungeeignete Verschraubung die gesamte Schutzwirkung des Schaltschranks aufheben kann.

Für eine detaillierte Übersicht zu den Anforderungen verschiedener Schutzklassen im Schaltschrankbau lohnt sich ein Blick auf unsere Informationen zu Wandschaltschränken und Schutzarten.

Wann sollte man Flanschplatten individuell anfertigen lassen?

Individuelle Flanschplatten sind dann sinnvoll, wenn Standardmaße nicht passen, besondere Materialanforderungen bestehen oder die Belegung mit Durchführungselementen so komplex ist, dass eine Vorfertigung nach Zeichnung den Montageaufwand deutlich reduziert.

Typische Situationen, in denen eine Sonderanfertigung die bessere Wahl ist:

  • Das Gehäuse hat Sondermaße, für die kein passendes Standardteil am Markt verfügbar ist
  • Es müssen Leitungen unterschiedlicher Typen und Querschnitte in einem definierten Raster eingeführt werden
  • Die Umgebungsbedingungen erfordern ein besonderes Material, zum Beispiel Edelstahl in Hygieneumgebungen
  • Die Flanschplatte trägt gleichzeitig Komponenten wie Klemmen, Sicherungen oder Steckverbinder
  • Zertifizierungsanforderungen, etwa Bahnzulassungen, schreiben bestimmte Materialien oder Fertigungsstandards vor

In der Serienfertigung amortisiert sich der einmalige Mehraufwand für eine kundenspezifische Flanschplatte schnell, weil jede Montage schneller und fehlerfreier verläuft. Im Einzelanlagenbau kann eine Sonderanfertigung dagegen nur dann wirtschaftlich sein, wenn der Zeitaufwand für die Bearbeitung von Standardplatten vor Ort höher wäre als die Mehrkosten der Vorfertigung.

Worauf muss man bei der Montage von Flanschplatten achten?

Bei der Montage von Flanschplatten sind die korrekte Einbaulage, die Dichtheit der Verbindung zum Gehäuse und die sachgemäße Belegung mit Kabeldurchführungselementen die drei kritischen Punkte. Fehler in diesen Bereichen gefährden die Schutzart und damit die Betriebssicherheit der gesamten Anlage.

Folgende Punkte sollten bei der Montage systematisch geprüft werden:

  1. Maßhaltigkeit prüfen: Die Flanschplatte muss spielfrei in die Gehäuseöffnung passen. Maßabweichungen führen zu Spalten, die Schutzart und mechanische Stabilität beeinträchtigen.
  2. Dichtung kontrollieren: Die umlaufende Dichtung muss vollständig aufliegen und darf keine Unterbrechungen aufweisen. Beschädigte oder falsch eingelegte Dichtungen sind eine häufige Ursache für Schutzartmängel.
  3. Schraubenanzugsmomente einhalten: Zu festes Anziehen verformt die Platte oder quetscht die Dichtung dauerhaft, zu loses Anziehen lässt Spalte entstehen. Die Herstellerangaben sind verbindlich.
  4. Kabeldurchführungselemente passend wählen: Jedes eingesetzte Element muss für den jeweiligen Leitungsaußendurchmesser und die angestrebte Schutzart geeignet sein. Ungenutzte Öffnungen müssen mit zugelassenen Blindstopfen verschlossen werden.
  5. Zugentlastung sicherstellen: Kabel dürfen keine mechanischen Kräfte auf die Flanschplatte oder die Durchführungselemente ausüben. Eine geeignete Zugentlastung schützt sowohl die Leitung als auch das Gehäuse.

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Erdung: Wenn die Flanschplatte leitend mit dem Gehäuse verbunden sein muss, etwa für den EMV-Schutz, müssen Lackschichten an den Kontaktflächen entfernt oder Zahnscheiben eingesetzt werden, die den Lack durchdringen. Dieser Schritt wird in der Praxis häufig übersehen und führt dann zu Problemen bei der EMV-Prüfung.

Für komplexe Einbausituationen empfiehlt es sich, die Flanschplatte bereits in der Konstruktionsphase gemeinsam mit dem Gehäusehersteller abzustimmen. So lassen sich spätere Nacharbeiten vermeiden, und die Montage vor Ort beschränkt sich auf das Einsetzen und Anschließen. Mehr zu den Möglichkeiten der Metallverarbeitung und Schweißtechnik bei der Gehäusefertigung finden Sie in unserem Leistungsüberblick.

Wie Dessauer SG bei Flanschplatten und Wandschaltschränken unterstützt

Wir bei Dessauer SG fertigen Flanschplatten als integrierten Bestandteil unserer DessaCompact-Wandschaltschränke und auf Wunsch auch als Einzelkomponenten nach Zeichnungsvorlage. Unsere Kunden profitieren dabei von einer vollständig internen Fertigung, die kurze Abstimmungswege und eine lückenlose Qualitätskontrolle ermöglicht.

Was wir konkret anbieten:

  • Flanschplatten aus Stahlblech oder Edelstahl in kundenspezifischen Abmessungen, abgestimmt auf Ihre Gehäusegeometrie
  • Vorgefertigte Ausbrüche, Bohrungen und Gewindeschweißbolzen nach Ihrer Zeichnung, damit die Montage vor Ort ohne Nacharbeit auskommt
  • Pulverbeschichtung in RAL-Farben nach Wunsch oder blanke Ausführung für leitende Verbindungen
  • Wandschaltschränke im DessaCompact-Variantensystem mit Maßen von 300 bis 1.200 mm in Höhe und Breite, in 5-mm-Stufen, für eine passgenaue Integration in Ihre Anlage
  • Lieferzeiten von 15 Tagen für kundenindividuelle Lösungen, während branchenübliche Lieferzeiten bei Wettbewerbern bei 8 bis 12 Wochen liegen

Sprechen Sie uns an, wenn Sie eine Flanschplatte oder einen kompletten Wandschaltschrank mit spezifischen Maßen, Schutzarten oder Materialanforderungen benötigen. Unsere Ansprechpartner stehen Ihnen für eine technische Beratung zur Verfügung: Kontakt zu unseren Experten aufnehmen.

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